Der Mai ist doch noch gar nicht gekommen...

      Der Mai ist doch noch gar nicht gekommen...

      und doch stehen bei uns, bis auf ganz wenige Platanen, bereits alle Bäume in vollem Grün da. Ist mir zudem schon vor ein paar Tagen aufgefallen, dass die längst "ausgeschlagen haben" und das alte Volkslied Lügen strafen. Schon ein wenig sehr früh, oder?

      Aber there is ja no such thing like climate change...
      Kommt vielleicht darauf an, wo du wohnst. Ich war gerade paar Tage im Schwarzwald und da hat noch so gut wie gar nichts ausgeschlagen. Da fängt das gerade erst an.

      aber bei mir blüht dafür der Flieder in voller Pracht. Den hatte ich auch eher so im Mai in Erinnerung.
      Gruß von Donna
      Youth is wasted on the Young.
      Aber klar könnte das auch der Klimawandel,sein.

      Denkst du/denkt ihr manchmal darüber nach, ob vor dem Hintergrund Fernreisen noch vertretbar sind? Oder ist das etwas, auf das man trotzdem nicht verzichten kann? Ich weiß nicht, ob die Zahl stimmt, die ich gelesen habe, dass eine einzige Flugreise an die Ostküste der USA vier Mal so viel CO2 raushaut wir man als einzelner in einem Jahr verbrauchen dürfte, um die Klimaerwärmung wenigstens zu verlangsamen, aber mich hat das schon ins Grübeln gebracht.

      Ich hatte neulich mit Schülern dieses Thema, die alle mit glänzenden Augen von den Klima-Demos erzählt haben. Aber nach dem Abi wollen sie alle erstmals reisen und das nicht in den Schwäbischen Wald. USA, Australien, Brasilien und danach auch viel von der Welt sehen, weil nach dem Studium haben sie sich das ja dann verdient.
      Gruß von Donna
      Youth is wasted on the Young.
      Also ich denke da daran, ja, und wir haben diesmal erstmals eine Kompensationszahlung geleistet (über atmosfair). Daneben arbeite ich an meiner Bilanz persönlich z.B. dadurch, dass ich für meine Fahrten zur Arbeit, in die Stadt, etc., nie das Auto, sondern grundsätzlich ÖPNV und da zu 90% Straßenbahn nehme.

      Was gar nicht gut ist, ist, dass ich beruflich sehr häufig fliege und keine Lust habe, meine Lebenszeit durch Wechsel auf Bahnfahrten innerdeutsch umzustellen. Für Berlin müsste ich dann nämlich z.B. grundsätzlich am Vortag schon nachmittags fahren und käme am Sitzungstag irgendwann nachts wieder heim. Aber wenigstens fahre ich auf den MIttelstrecken Bahn und nicht mit dem Auto.

      Und noch mal zur Ausgangsbeobachtung: hier (Rheinland) grünen die Bäume sonst in der Regel auch immer erst im Mai so richtig. Es gibt halt früh Birkengrün (Maibäume) und anderes Kleinzeug. Aber bei den Buchen, etc. kommen die Blätter üblicherweise erst einige Zeit später. DIeses Jahr ist alles schon total grün mit Ausnahme der Plantanen. Aber selbst bei denen sieht man die Blättchen schon kommen.
      Also, hier im Südwesten ist alles immer schon früher als im Rest des Landes grün. Gerade war meine Schwester über Ostern hier. Die meinte, sie wären noch aus dem Winter vom Tegernsee angereist. Was ich allerdings schon echt wahnsinnig finde, ist die Tatsache, dass wir die letzten Tage jeden Abend auf der Terrasse verbracht haben, weil es auch abends noch so warm ist. Unsre Apfelbäume sind gerade verblüht, die Kirschen schon längst. Seit zwei Wochen ernte ich Rhabarber aus unserem Garten, und die Johannissträucher hängen voller Beeren.

      Hier im Ort hat eine Familie einen Olivenbaum im Garten eingesetzt, der letztes Jahr prall voll mit mehreren Kilo Oliven war. Das gab es früher einfach nicht. Dafür gabs hier seit 2010 keinen nennenswerten Schnee mehr im Winter. Das alles stimmt mich schon sehr bedenklich.

      Und was Kompensationszahlungen bewirken sollen, wenn das CO2 in der Stratosphäre landet, weil unsereins Fernreisen macht, erschließt sich mir auch nicht so recht, außer vielleicht ein besseres Gewissen. Das soll jetzt kein Angriff auf niemand sein, wir fliegen ja auch...

      LG Brigitte
      Glück ist, wenn die Katastrophe zu Ende ist
      Es hat alles mehrere Seiten. Ich finde es durchaus sehr wichtig, andere Länder zu bereisen (am besten auch mal Asien und Afrika), um zu sehen, wie sich andere Kulturen anfühlen. Das öffnet enorm den Blick auf die Welt und bringt neue Perspektiven. Wer nie gesehen hat, wie anders es in anderen Ländern wirklich zugeht, nimmt leider zu oft unseren Standard als das Maß der Dinge bzw eben auch die Berichte in den Medien über andere Länder als Realität an. Man lernt so viel, wenn man in anderen Ländern unterwegs ist. Ich gehe jetzt mal davon aus, dass Jugendliche nach der Schule keinen AI Urlaub machen, sondern mit dem Rucksack reisen, andere Menschen treffen, mit denen sprechen und vielleicht sogar mal arbeiten. ;)

      Man muss sicher nicht monatlich um die Welt jetten, aber ich fliege auch 1-2 mal pro Jahr (1 Langstrecke, 1 Kurzstrecke).

      Richtig ist, dass Fliegen CO2 mäßig fies ist. Aber ich hoffe, dass elektrisch betriebene Flugzeuge nicht mehr allzulang auf sich warten lassen. Auch die Großen sind an dem Thema schon dran.
      Atmosfair nutzt die Kompensationszahlungen, um Klimaschutzprojekte zu finanzieren.

      Bei diesem Quiz war ich übrigens ziemlich schlecht, fand ich:
      cnn.com/interactive/2019/04/sp…solutions-quiz/index.html

      Weniger Fliegen hat laut Drawdown nicht so einen hohen Einfluss auf den CO2 Footprint wie "kein Essen wegwerfen".
      Ob die Zahlen so alle halbwegs stimmen, kann ich natürlich gar nicht beurteilen.
      Auf Platz 1 sind nach wie vor die Kühlschränke:
      drawdown.org/solutions/materials/refrigerant-management

      :wavy

      Hanni
      Don't speak unless you can improve the silence.
      Hier oben sind wir ja auch immer etwas später dran, aber selbst hier blühen schon die Apfelbäume. Ja, extrem früh. Und ich persönlich stehe auf dem Standpunkt: mit jedem Flug, den ich mir "gönne", nehme ich der nächsten Generation ein Stück ihrer Lebensgrundlage. Ich habe ja selbst keine Kinder, aber ich war schon in dern 80ern teilweise erstaunt, wie Menschen mit unserer Welt umgehen obwohl sie welche hatten. Ich habe mittlerweile aufgegeben es verstehen zu wollen und schaue darauf dass ich so lebe wie ich es verantworten kann.

      Ich denke, diese geschäftlichen Konferenzflüge werden wohl über kurz oder lang tatsächlich durch digitale Gespräche ersetzt werden, zumindest größtenteils. Ich denke, mit ein bisschen gutem Willen "von oben" wäre das heute schon vielfach möglich.
      Liebe Grüße
      Pat

      Everything is going to be fine in the end. If it's not fine it's not the end
      Die CO2-Ausgleichszahlung entspricht einem gewissen Ablasshandel, ja. Aber anders als bei der katholischen Kirche landet das Geld in sinnvollen Projekten und nicht in Schatzkammern und bei Hermelinschneidern ;) .

      Das Quiz hab ich auch gemacht (Danke, Hanni) und bin immerhin im Schnitt besser als 70% der Leser. Allerdings haben mich viele Antworten auch sehr erstaunt - Nachholbedarf...

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      Die Zahlen im Bild sind sehr interessant, es geht um Einsparung bis 2050, hochgerechnet.
      Ich habe mich bzgl Essen wegwerfen und Fleisch essen schon außerordentlich ins Zeug gelegt, aber irgendwie gelingt es mir nicht immer in der Form, wie ich es gerne möchte. Ich werde aber immer besser und ich versuche, regional und saisonal einzukaufen, d. h., keine Erdbeeren und keinen Spargel im Winter.

      Gestern habe ich mal einen Beyond Burger versucht. Rein aus Interesse, weil ich darüber gelesen hatte. Ich persönlich brauche Fleisch nicht, ich habe schon mehrere Jahre vegetarisch gelebt und könnte es auch wieder. (Vegan allerdings nicht, ohne Käse und Sahne fände ich es schwierig.)
      Der Burger war erstaunlich nah am Fleisch, sowohl vom Aussehen wie auch von der Konsistenz her und schmeckte sehr gut. Er ist aus Erbsenprotein (und vielen Zusatzstoffen) hergestellt.

      Vom CO2 Footprint ist er durchaus einem Fleischburger vorzuziehen:
      "Based on a comparative assessment of the current Beyond Burger
      production system with the 2017 beef LCA by Thoma et al, the Beyond
      Burger generates 90% less greenhouse gas emissions, requires 46% less
      energy, has >99% less impact on water scarcity and 93% less impact on
      land use than a ¼ pound of U.S. beef."

      Von den Zutaten her... nun ja... immerhin ohne Gentechnik. Aber sonst... :S :wacko:

      Water, Pea Protein Isolate, Expeller-Pressed Canola Oil, Refined
      Coconut Oil, Contains 2% or less of the following: Cellulose from
      Bamboo, Methylcellulose, Potato Starch, Natural Flavor, Maltodextrin,
      Yeast Extract, Salt, Sunflower Oil, Vegetable Glycerin, Dried Yeast, Gum
      Arabic, Citrus Extract (to protect quality), Ascorbic Acid (to maintain
      color), Beet Juice Extract (for color), Acetic Acid, Succinic Acid,
      Modified Food Starch, Annatto (for color).

      All ingredients from Non-GMO sources

      Im Prinzip ist es ein Labor-Burger.
      Dateien
      Don't speak unless you can improve the silence.
      Im Prinzip gebe Ich dir Recht, Hanni, was die geänderten Perspektiven angeht, die man gewinnt, wenn man andere Länder bereist und andere Kulturen kennenlernt. Aber das ganze ist so unglaublich einseitig ungerecht. Heißt, ein Bruchteil der Weltbevölkerung kann sich das leisten und nimmt sich die Freiheit, mit riesigen CO2-Schleudern in die entlegensten Teile der Welt zu reisen, wo man dann zumeist auf Menschen trifft, die davon nur träumen können und deren Kultur man dann im besten Fall ein bisschen wie bei einem Zoobesuch betrachtet und im schlimmsten Fall noch zerstört.

      Man stelle sich nur vor, die gesamte Bevölkerung dieses Planeten würde das so sehen wie wir und hätte auch die Mittel, das zu verwirklichen. Eine gruselige Vorstellung.

      Und eine andere Seite dieser Medaille ist ja dann auch noch, dass viele privilegierte und zumeist westliche Menschen nicht reisen, um andere Kulturen zu entdecken, sondern zum Beispiel deswegen, weil es mittlerweile billiger ist, für ein paar hundert Euro nach Thailand zu fliegen und dort Party zu machen als durch Europa zu reisen. Weil es spottbillig geworden ist, mal eben in eine europäische Hauptstadt zu jetten und sich dort mit Tausenden anderen Massentouristen durch gar nicht mehr ursprüngliche Gassen zu schieben und in den weltweit gleichen Ladenketten einzukaufen.

      Was die Schüler betrifft, kennen die wenigsten von Ihnen Ihre nähere Umgebung oder Deutschland oder europäische Nachbarländer. Aber es ist ganz wichtig, mit all den anderen nach Australien zu fliegen. Das hat nur noch wenig damit zu tun, dass die sich für die Kultur dort interessieren, sondern einzig mit dem Coolheits-Faktor.
      Gruß von Donna
      Youth is wasted on the Young.
      Am "Lebensmittel nicht wegwerfen" arbeiten wir auch intensiv. Und es klappt zu 98%, würde ich sagen.

      Zu deinem Burger: das wäre nicht meins. Ich esse extrem wenig Fleisch, aber wenn Burger, dann einen richtigen oder einen Gemüseburger, da ich die eigentlich sogar lieber mag. Aber so nachgemachtes Fleisch ist nicht so mein Ding, muss ich sagen. Und ich befürchte für die Hardcore-Fleischesser, die meinen, ohne nicht überleben zu können, ist das auch keine echte Alternative. Höchstens für Vegetarier, die halt mal so was ähnliches wie Fleisch essen möchten. Fällt also mengenmäßig mutmaßlich nicht so ins Gewicht, denke ich. Aber vielleicht ist es eine Lösung für die Zukunft, wer weiß.
      Auch, wenn mit den Kompensationszahlungen vernünftige Klimaprojekte finanziert werden, bin ich der Überzeugung, dass das in dieser Höhe durch die Flugzeuge abgegebene Co2 wesentlich mehr Schäden anrichtet, als es durch irgendein sinnvolles Projekt kompensiert werden kann. Das CO2, das hier auf dem Erdboden rausgeblasen wird, ist lange nicht so gefährlich wie das in die Stratosphäre geblasene.

      Ich möchte auch gerne die Welt sehen und habe noch so einige Traumziele außerhalb Europas, aber ich habe deswegen unheimlich schlechtes Gewissen. Das doofe ist die Denke, dass der Flieger ja sowieso fliegt, egal, ob ich drinsitze oder nicht. Aber das ist einfach zu bequem.

      Konsequenterweise müssten Flüge viel teurer sein, damit nur in geringem Maßevdie Schäden kompensiert werden können, die sie verursachen. Ein Anfang wäre hierzulande ja mal die Besteuerung von Kerosin in Höhe der restlichen Mineralölsteuer.

      Und solange es billiger ist, mit dem Flieger von Frankfurt nach Berlin zu fliegen, statt in 4 h da mit der Bahn hinzufahren, werden Geschäftsinlandsflüge auch nicht eingedämmt werden, so à la wenn schon schneller und dann noch billiger ist...

      Als ich Kind war, konnten sich nur Bessergestellte mal einen Urlaubsflug nach Mallorca etc. leisten. Langstrecke sind nur sehr wenige geflogen. Seit den 80ern weiß man wie schädlich das Fliegen ist, und trotzdem wurde es gewollt immer erschwinglicher für die breite Masse. Eigentlich ist das doch zum Verzweifeln...

      Letztens hatte ich eine Diskussion mit meinem Bruder, wir waren uneins, wer denn schuld sei, dass im Februar schon Erdbeeren im Supermarktregal liegen: der Verbraucher oder der Anbieter? Er meint der größte Schuldanteil liegt beim Anbieter, ich sage, dass es in meiner Hand liegt, ob ich die Erdbeeren kaufe oder nicht. Aber klar, lägen sie nicht im Regal, könnten sie gar nicht erworben werden. So sehe ich das auch mit den Flugreisen, die sind zum billigen Massenprodukt geworden, und wer heute billig urlauben will, der machts pauschal, am besten all inclusive, bleibt im Hotel hocken, häuft sich am Buffet den Teller voll und wirft anschließend ganz ohne nachzudenken die Essensreste weg. Mag übertrieben sein, aber ich hab einmal so geurlaubt, und es mit eigenen Augen gesehen. Da hab ich beschlossen, das nie wieder zu machen.

      Sorry, das war jetzt etwas ausschweifend.

      LG Brigitte
      Glück ist, wenn die Katastrophe zu Ende ist
      ich glaue, da muss man der Tatsache ins Auge sehen und kann sich nichts schönreden. Flüge sind für die persönliche CO2-Bilanz ziemlich fies. Und das war allen, die halbwegs informiert sind, auch schon vor der zugreisenden Greta Thunberg klar. Es ist schon ganz ok, dass das Thema gerade mal wieder etwas mehr mediale Aufmerksamkeit erfährt und auch über eine entsprechende CO2-Steuer nachgedacht wird. Fair ist das dann auch nicht, wenn Flugreisen wieder exklusiver werden im Sinne von: weniger Leute, die sich das leisten können. Denn es ist ja jetzt auch schon nicht fair, wie Donna ausgeführt hat.

      Ich mache ja auch alle drei bis fünf Jahre eine Fernreise und fliege zudem noch dauernd zur spanischen Schwiegerfamilie. Mein Gewissen versuche ich auch zu beruhigen: Atmosfair habe ich auch schon bezahlt, dann mal ein Jahr mit Urlaub nur im näheren Umfeld und natürlich habe ich immer das Privileg der Großstadt, im täglichen Leben so gut wie nie ein Auto zu nutzen. Wenn ich eine Fernreise mache, erkunde ich das Land und hau mich nicht zwei Wochen an den Strand. Aber macht mich das besser als jemand, der nur für Sonne und/oder Party um den Globus fliegt? Zumindest ist es unter Umweltgesichtspunkten ganz genau so egoistisch. ICH will die Welt sehen, die Welt braucht mich nicht. Es ist schon was dran an dem, was Hanni sagt: es ist schon wichtig, die Welt zu sehen, um zu erkennen, dass man nicht besser ist. Wenn ich mir das so überlege, habe ich aus meinen Reiserfahrungen eine ganze Menge in meinen Alltag mitgenommen. Aber nicht jede Reise ist so gestrickt, dass man zu wichtigen Erkenntnissen kommt. Und um zu erkennen, dass es leicht ist, Freundlichkeit in den Alltag zu integrieren reicht auch ein Flug (oder gar eine Fährfahrt?) nach Irland. Da kann ich übrigens auch Englisch lernen, dafür muss ich nicht in die USA.

      ich bin mit Mitte 20 zum ersten Mal geflogen und meine erste Fernreise habe ich mit 31 gemacht (USA), die zweite mit 36 (Vietnam, Kambodscha). Ich habe mit 17 in einem Merianheft über den Milford Track in Neuseeland gelesen und er ist mir nie wieder aus dem Kopf gegangen, mit 42 bin ich ihn gewandert. Ich glaube, ich hätte all das auch gemacht, wenn es noch viel teurer gewesen wäre. Und ich glaube auch, dass ich all das noch viel mehr genossen habe, weil ich es erst im mittleren Erwachsenenalter gemacht habe. Macht es natürlich für die CO2-Bilanz auch nicht besser, ob ein 40-jähriger oder ein 17-jähriger im Flugzeug sitzt. Aber es wäre schon besser, wenn fliegen nicht so absurd billig wäre. Ich finde es dann vielleicht am Ende des Tages doch besser, sich einen lang gehegten, exklusiven Traum zu erfüllen, auf den man lange hinarbeiten muss, als für jeden Urlaub um die Welt zu jetten, nur weil man kann. Aber dann kommt der nächste und sagt, er fliegt aus Umweltgründen überhaupt nicht und aus der Perspektive bin ich dann die Umweltsau. Sehr schwierig. Und ich kann wohl auch keinem Jugendlichen mehr sagen, dass er erstmal auf der Karte zeigen soll, wo Erfurt und Wiesbaden liegen, bevor er nach Melbourne fliegt. Melbourne liegt eben heute innerhalb der Möglichkeiten, das kann man niemandem vorwerfen. Aber verkehrt ist es sicher nicht, wenn Greta Thunberg da mal eine Diskussion (neu) entfacht hat, auch gerade unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Oder dass Donna die Diksussion hier mal im Forum aufgeworfen hat. Muss eben jeder sehen, was er daraus macht.

      Das berufliche Fliegen nervt mich übrigens gewaltig. Das ist erstmal richtig sinnlos. Ich muss schon sagen, dass ich persönliche Treffen sehr, sehr wichtig finde und mir nicht vorstellen kann, alles über Videokonferenzen oder so zu machen, das ist für mich eine Horrorvorstellung. Aber ganz ehrlich: von München nach Frankfurt oder Hamburg oder Berlin muss man nicht fliegen. Da würde es schon reichen, die Berufswelt einen winzigen Ticken zu entschleunigen, das täte sowieso vielen sehr gut. Auch mir.
      rauchfrei seit 17.01.2008 / Umwege erhöhen die Ortskenntnis
      Jeder ist auf seine Art die Umweltsau, ich glaube, da sind wir uns alle einig. Ich denke zum Beispiel mit Grausen an die Plastikwindelberge, für die ich durch meinen sehr egoistischen Kinderwunsch geschlagene 10 Jahre lang verantwortlich war und die noch sehr, sehr lange irgendwo vor sich hin rotten werden. Dafür bist du, lagarto, schon mal nicht zu belangen. Also könntest du ruhig mehr fliegen als ich, wenn, ja wenn man das alles gegeneinander aufrechnet. Aber ich glaube, damit müssen wir aufhören.

      Den Ablasshandel für den CO2-Verbrauch bei Flugreisen sehe ich ähnlich wie Brigitte. Es ist ein guter Gedanke, aber sinnvoller wäre es sicherlich zu sagen, ich lasse das mit dem Fliegen und Spende die gleiche Summe an Projekte, die woanders auf der Welt CO2 sparen. Es ist ja so wie lagarto sagt: die Welt braucht uns nicht, wir machen das alles aus rein egoistischen Gründen und das, obwohl wir sowieso schon zum privilegiertesten Teil der Menschheit gehören.
      Gruß von Donna
      Youth is wasted on the Young.
      Dass unser Verhalten Konsequenzen hat, interessiert uns ja auch erst, seit es auch bei uns trockener wird. Ob vorher woanders die Eisbären keine Nahrung mehr gefunden haben, Inseln abgesoffen sind oder sich die Naturkatastrophen gehäuft haben, ging uns so am Allerwertesten vorbei wie die Flüchtlinge, solange sie das Problem von Italien und Griechenland waren und nicht unseres.

      Fliegen muss teurer werden, das ist für mich gar keine Frage. Dann können es sich halt nur noch wenige leisten, na und? Ich kann mir auch keinen Ferrari leisten und keinen Rembrandt und vieles andere auch nicht. Wir werden es überleben. Wir müssen einsehen, dass Ressourcen begrenzt sind und unser Verhalten hochgradig bescheuert.
      Gruß von Donna
      Youth is wasted on the Young.
      Ob man da auf die Jugend vertrauen kann, weiß ich nicht. Seit ich in unserer Schulformen unterrichte, ist Klimawandel und Klimaschutz fächerübergreifend Thema. So auch im Englischunterricht. Da gibt es schon lange einen Text von Al Gore, in dem er schon 2006 sagte, dass wir in einer krisenhaften Zeit leben, dass Krisen aber auch immer Chancen bedeuten und dass es zur „Generationen Mission“ der Jugend werden könnte, diese Krise zu überwinden und dabei nicht nur den Planeten zu retten, sondern auch etwas Grpßes zu erleben wie ein gemeinsames Ziel.

      Finden die Schüler überwiegend nicht. Das Thema Umwelt ist öde, sie sagen auch nach Wochen Unterricht immer noch, dass wir aufhören müssen, CO2 auszustoßen, weil sonst die Ozonschicht kaputt geht und erzählen in Aufsätzen pflichtschuldig, dass man den ÖPNV ausbauen muss und auf das Autofahren verzichten sollte, nur um nach dem Unterricht ins Auto zu steigen und den kurzen Weg nach Hause zu fahren in einer Stadt, die einen gut ausgebauten ÖPNV hat. Es juckt sie einfach nicht.
      Gruß von Donna
      Youth is wasted on the Young.

      Donna Quichote schrieb:

      Dafür bist du, lagarto, schon mal nicht zu belangen.


      Ja, stimmt natürlich. Wenn ich nur ein Drittel der Fernreisen mache, die meine Kinder gemacht hätten, wenn es sie denn gäbe, dann bin ich umwelttechnisch ja fein raus. Und deren Kinder und Kindeskinder: alles gespart!. :hat3 Also, zu viele Menschen sind wir ja schon auf diesem Planeten, da ist was dran, aber ich bin Dir (ganz egoistisch) schon ganz dankbar für Deine Kids, damit irgendwer auch ein bisschen meine Rente erwirtschaftet, mit der ich dann im Alter auf stinkende Kreuzfahrtschiffe steige. Meine Flugreisen mit Deinen Windeln aufzuwiegen ist natürlich schon ausgemachter Blödsinn, aber Danke für das Argument ... :happy1

      Donna Quichote schrieb:

      Dass unser Verhalten Konsequenzen hat, interessiert uns ja auch erst, seit es auch bei uns trockener wird


      Uns Bayern wurde ja bis vor kurzem eingeredet, wir wären die Gewinner des Klimawandels. Geil: fette Erdbeeren, Tomaten, Südfrüchte und Feigen in Geiselhöring.

      Donna Quichote schrieb:

      Es juckt sie einfach nicht.


      Mir fällt auf, dass es wieder normal ist, seinen Müll zu hinterlassen, wo man ihn gerade produziert hat, z.B. beim Picknick in den Isarauen. Geht das auch so in diese Richtung?
      rauchfrei seit 17.01.2008 / Umwege erhöhen die Ortskenntnis
      Ja. Glaube schon. Mein egoistisch produzierter Sohn geht manchmal auch in die Richtung und das mit dem feinen Totschlag-Argument, dass es ja eh Wurscht sei, weil die Welt sowieso im Popo ist.

      Wie die Gebüsche bei uns rund im die Schule aussehend kannst du dir auch vorstellen. Voll mit Burgerketten-Verpackungen. Und Kippen. Und manchmal bin ich es so leid, zwei Mal im Jahr die Putzaktion zu organisieren, weil immer nur die mit aufräumen, die nie im Leben einfach irgendwo Müll hinwerfen würden. Die anderen - siehe oben - juckt es einfach nicht.
      Gruß von Donna
      Youth is wasted on the Young.
      Auch da müsste eigentlich wieder der Geldbeutel herhalten: drakonische Strafen für diejenigen, die ihren Müll einfach in die Pampa werfen. Nur über das Geld sind die Menschen erziehbar, weil es nämlich doch so ist, wie Donna schreibt, dass es nur die wenigsten juckt, welchen Fußabdruck sie hinterlassen. Aber wenn es an ihr sauer verdientes Geld geht, kommen sie zur Besinnung.

      Hier wird geheizt mit der Karre, in unserem Nachbarland wird penibel drauf geachtet, dass die Geschwindigkeit eingehalten wird, weil schon die geringste Übertretung sackteuer ist.

      Ich bin auch immer wieder entsetzt, dass so viel Müll überall rum liegt, dass an unseren zwei S-Bahn-Haltestellen hier im Ort keine Uhr, keine Glasscheiben mehr sind, weil umgehend alles kaputt gemacht wird, sobald es repariert ist etc.

      LG Brigitte

      PS: Seit kurzer Zeit verhängt die Stadt Mainz ein Bußgeld für das Wegwerfen von Zigarettenkippen auf die Straße. Ich finds gut.
      Glück ist, wenn die Katastrophe zu Ende ist
      Ja, die Müllberge sind schon erschreckend. Meine Laufstrecke führt durch ein Naherholungsgebiet und da haben die Stadtwerkemitarbeitenden, die Sonntags früh unterwegs sind, schon reichlich zu tun. Und ich beobachte tatsächlich sehr häufig Jugendliche, die Müll aller Art (Zigarettenkippen sowieso, aber auch Kaugummipapier, Getränkepackungen, etc.) einfach so fallen lassen, wo sie gehen und stehen. Manchmal nur wenige Meter vom nächsten Abfallbehälter entfernt. Unfassbar eigentlich.

      Vor Kurzem ist mir ein bisschen (natürlich nur metaphorisch ;) ) die Hutschnur geplatzt. Da stand ein Junge, so 12 Jahre alt, schätze ich, nach der Schule mit mir an der Straßenbahnhaltestelle und warf mit voller Absicht einen offensichtlich kaputten Kugelschreiber einfach ins Gleisbett (da, wo schon Hunderte von Zigarettenkippen auf ihr langes Dahinsiechen warten...). Der nächste Mülleimer war vielleicht 10m weiter auf dem Bahnsteig. Den hab ich dann tatsächlich mal angesprochen, nett und freundlich / etwas ironisch, ob er das denn für die geeignete Art der Müllentsorgung halte? Er schaute mich ganz erschrocken an und schüttelte wenigstens einigermaßen schuldbewusst den Kopf. Vielleicht hält es bis zu seinem nächsten kaputten Kuli...