Obama in Köln

      Wow, klingt interessant. Obama ist ein toller Redner, Ich wünsche Dir viel Spaß und freue mich natürlich auf Deinen Bericht.
      Liebe Grüße
      Pat

      Everything is going to be fine in the end. If it's not fine it's not the end
      So, gestern war ich nun auf dem Leadership Summit in Köln, bei dem es ein ca. einstündiges moderiertes Gespräch mit Barack Obama gab.

      Die Veranstaltung selbst war wirklich unsäglich. Ich habe keine Ahnung, wie die Obama bekommen haben. Auf einem Leadership Summit hätte ich Leader erwartet, bekommen haben wir aber außer Obama, irgendwelche tollen Motivationstrainer und Managment Berater. Das ist so gar nicht mein Ding. Wir hatten aber die Karten eh nur wg. Obama genommen und keine Ewartungen an das Drumherum.

      Nichtsdestotrotz, wenn so ein Motivationstyp bei einem „Leadership Summit“ am Anfang seines Beitrags ein „Da simma dabei, dat is pri-hi-ma….“ anstimmt, dann kann ich mich nur noch fremdschämen. Inhaltlich habe ich bei den ersten zwei Redner lediglich 2-3 mal zustimmend genickt und saß ansonsten mit einem konstanten „WTF?“ Ausdruck da. ;)

      Falls ihr einen der Menschen kennt, es war auch rein zufällig auch der Geschäftsführer des Veranstalters. Stefan Frädrich. Dr. Stefan Frädrich, so viel Zeit muss sein. Der hat anscheinend auch was mit Nichtrauchen gemacht und schreibt ganz viele Selbsthilfebücher, über Friedrich den Schweinehund, Diäten, etc. Ist wohl auch im TV zu sehen. Ich kannte ihn vorher nicht, mich hat er nicht motiviert, ich fand es oberflächlich und banal. Es ging um Affen und Bananen (natürlich metaphorisch).

      Der zweite Redner war Boris Grundl. Puh, was soll ich sagen? Er hatte eine wirre Powerpoint Folie zu Gießkannen und Brenngläsern und deren Eigenschaften bezogen auf Führungsqualitäten (Am Anfang sind Sie Gießkanne, später Brennglas… ???). Die Metapher konnte ich nicht wirklich nachvollziehen und fand es weder mitreißend noch überzeugend. Für mich kam nur ein absolut verbitterter Mann rüber, der mit paar und 20 einen Unfall hatte, der ihn querschnittsgelähmt zurückgelassen hat und der sich danach gedacht hat: „Pah, euch zeig‘ ich’s jetzt, aber mal richtig, ihr werdet schon sehen!“. Meine Meinung: Man muss kein Arsch sein, um sich als körperlich extrem eingeschränkter Mensch durchsetzen zu können. Freundlich und symphatisch würde es auch tun. Spätestens mit dem Satz, dass alle seine Freunde seinen heißen Freundinnen immer Angebote machten, damit sie mal wieder nen „ganzen Mann“ hätten, hat er sich bei mir endgültig disqualifiziert. Aber jeder Jeck ist anders… Jedenfalls: Not my cup of tea.

      Barack Obama hingegen war großartig. Die Einführung hat seine ältere Halbschwester Auma gestaltet, die ist Germanistin, Soziologin etc. Sie hat auch lange in Deutschland gelebt.

      Obama ist wirklich ein sehr charismatischer Mensch und Redner. Er ist in alle Richtungen unfassbar authentisch und empathisch.
      Er erzählte über seine Familie, die Stiftung, schwere Entscheidungen, über Diversity, Klimawandel und viele andere Dinge.

      Was habe ich u. a. mitgenommen?
      Es ist wichtig, Fakten anzuerkennen und faktenbasiert zu handeln. Man darf und soll zu diesen Fakten sicherlich unterschiedlicher Meinung sein, aber ohne gleiche Faktenbasis ist eine Diskussion und Auseinandersetzung gar nicht möglich. Als Beispiel wurde der Abstelltisch auf der Bühne hergenommen. Obama sagte, solange beide Diskussionspartner sich einig sind, dass es sich dabei um einen Tisch handelt, kann man trefflich darüber diskutieren. Ich finde den Tisch schön – ich finde den Tisch häßlich – ich finde, der Tisch sollte woanders stehen, etc. Wenn aber ein Diskussionpartner sagt, es handle sich dabei um einen Baum, dann fehlt jede Diskussionsgrundlage. Ich finde den Tisch schön – Ich finde den Baum zu groß. Man kann sich die Diskussion komplett sparen, weil sie eben nicht auf einem gemeinsamen Verständnis fußt und man deswegen dazu gar nichts sagen kann.

      (Liebe Motivationstrainer: So gehen Beispiele, Vergleiche und Metaphern!)

      Der zweite Punkt war, dass man nicht nach Positionen streben sollte, um der Position willen, sondern dass es darum geht, etwas zu bewegen. Also nicht „Ich möchte Bürgermeister werden“, sondern „Ich möchte eine lebenswertere Stadt für alle Bürger gestalten“, oder nicht „Ich möchte Schuldirektor werden“, sondern „Ich möchte ein Umfeld schaffen, in dem Kinder lernen und sich entwickeln können“. Wenn man so denkt, ist man eine Bereicherung für die Gesellschaft und kann positives erreichen, auch ohne einen Titel zu haben. Wichtig ist nicht der Titel, sondern dass, was man „Gutes“ tun kann. Jeder kann etwas beitragen, wenn er dieses Ziel vor Augen hat anstelle einer Position.

      Nach Obama gingen wir dann direkt, wir wollten uns den positiven Spirit nicht durch einen weiteren seltsamen Motivationstrainer kaputt machen lassen. ;)

      Noch eine Anekdote am Rande: Die Karten waren unfassbar, unsäglich teuer! Vor uns saß ein junges Pärchen, das während Obamas Vortrag ungelogen mindestens die Hälfte der Zeit damit verbrachte, zu versuchen, ein Selfie in der Art und Weise zu schießen, dass sie selbst und Obama gleichzeitig im Bild zu sehen waren und jeder auch noch gut aussah, inklusive Umsetzen, Frisurwechsel, mit Mütze, ohne Mütze, nach links schauen, nach rechts schauen, interessiert schauen, er auf dem Bild, sie auf dem Bild, beide auf dem Bild… Es war wirklich unsäglich. Ich denke nicht, dass sie irgendwas des Gesprächs mitbekommen haben. Auf dem Bild war auch nur Obamas Bild auf der Leinwand, denn er selbst war auf dem Selfie vielleicht gerade mal 3 Pixel hoch.Ich bin ja echt Instagram-tolerant, aber das war schon extrem und echt schade ums Geld!

      Ich finde, Obama zu sehen und ihm zuzuhören hat sich absolut gelohnt! Der Unterschied zum amtierenden Präsidenten ist so groß, dass man den Vergleich nicht einmal anstellen kann. ;)
      Don't speak unless you can improve the silence.
      Vielen lieben Dank für den ausführlichen und anschaulichen Bericht.
      Ich bin ja auch ein Fan von Obama und seine Reden sind eigentlich immer das Zuhören wert.

      Selfie-WAhn konnte ich letzten Sommer auch bei den Scorpions hier im Kurpark bewundern. Mir fehlt dafür komplett das Verständnis
      Liebe Grüße
      Pat

      Everything is going to be fine in the end. If it's not fine it's not the end
      Hier noch der Spiegel Artikel:
      spiegel.de/politik/ausland/bar…ng-gelenkt-a-1261360.html

      Dort steht es ja uach sehr schön zitiert:
      "konzentriere dich auf das, was du tun willst und nicht, was du sein willst."

      "Ich bin ein Freund von Fakten", sagt Obama und erntet Applaus. Darauf basierten seine Entscheidungen. "Das hier ist doch ein Tisch", sagt er und zeigt neben sich. "Wenn jetzt jemand sagt, das sei ein Baum, was, ja, was soll ich da noch sagen?"

      ;)
      Don't speak unless you can improve the silence.
      Genau so bereichernd hatte ich mir das erhofft und wäre gerne dabei gewesen.

      Und dass einem der Gedanke, was das Land mit ihm hatte und den maximalen Unterschied zu seinem Nachfolger, wahrscheinlich auch ein klein wenig wehmütig hat werden lassen, oder?

      Und zu den Motivationstrainern: habe ich auch schon zur Genüge erleiden dürfen. Ich habe bisher eine einzige erlebt, bei der ich das Gefühl hatte, die verhilft mir zu Gedanken, die ich ohne sie nicht hätte (Anja Förster).

      FellowEarthling schrieb:

      wahrscheinlich auch ein klein wenig wehmütig hat werden lassen, oder?

      Ja, wehmütig und fassungslos. Auch fassungslos, wie manche Amerikaner Obama als Landesverräter sehen, der ihr Land in den Ruin getrieben hat.
      Sicherlich ist reden das eine, aber ich nehme ihm ab, dass er mit seiner Macht anderen helfen möchte. Trump hingegen möchte nur beweisen, dass er ein toller Hecht ist. Es geht ihm nicht um die Menschen, sondern um irgendwelche Auszeichnungen für sich selbst.
      Don't speak unless you can improve the silence.

      FellowEarthling schrieb:


      Und zu den Motivationstrainern: habe ich auch schon zur Genüge erleiden dürfen. Ich habe bisher eine einzige erlebt, bei der ich das Gefühl hatte, die verhilft mir zu Gedanken, die ich ohne sie nicht hätte (Anja Förster).

      Das hast du sehr schön gesagt!
      Hab gerade nochmal bei YouTube geschaut, ob der Typ immer so ist, Yup.
      Keine Ahnung, ob das Comedy sein soll, aber unsere Führungskräfte würden da wohl kopfschüttelnd den Saal verlassen.



      Die Witze sind auch null zeitgemäß und voller Klischees. Sowas ist einfach gar nicht mein Ding!
      Don't speak unless you can improve the silence.
      Was für eine durchwachsene Veranstaltung. Ich bin ein genereller Gegner eines jeden Motivationstrainers. Klare Fakten mit Lösungsansetzen, die jeder für sich selbst umsetzen muss, gefallen mir da deutlich besser. Ein "so müsst ihr das machen, dann habt ihr Erfolg" erscheint mir immer als pauschale Gruppentherapie für Menschen, die nicht selbst denken und erinnert mich auch ständig an die Sektenführer und Schneeballsystemberater.

      Obama hätte ich allerdings auch gern gesehen. Ich habe ihn schon immer sehr gemocht, weil ich glaube, dass er sehr gradlinig ist und das was er sagt auch tatsächlich meint. Der Kontrast zu Trump könnte nicht größer sein - aber den kann ich sowieso nicht für voll nehmen. Da ist bei mir eher immer der Gedanke: na, welchen Blödsinn hat er sich jetzt wieder ausgedacht? sowie ein Bericht im Fernsehen kommt.
      Jedes Ende ist auch ein neuer Anfang....