Fake News

      Ich weiß, man kann es eigentlich nicht mehr hören.

      Aber heute morgen habe ich einmal wieder an der Menschheit gezweifelt. Mit meinem ganzen Lebenshintergrund geht es einfach nicht in meinen Schädel, wie es sein kann, dass der amerikanische Präsident auf Twitter ein Video anpinnt (! anpinnt, nicht nur postet!), in dem behauptet wird, Google hätte nur von Obama die "State of the Union" Reden beworben, nicht aber von ihm. Nicht nur ist diese Behauptung falsch, sondern es wurden auch noch falsche Beweis-Screenshots in diesem Video verwendet (altes Google Logo). Außerdem gab es bei Trump bisher überhaupt nur einmal die Chance, da es bisher nur eine State of The Union Speech von ihm gab. Und Google hat sehr wohl auf dieses Event auf der Startseite verlinkt.

      Ich verstehe es nicht. Wieso kann/darf der das einfach so? Kann Google ihn jetzt wegen Geschäftsschädigung verklagen? Wieso tut ein Landesoberhaupt, welches ja ganz andere Möglichkeiten hätte, mit Firmen in Kontakt zu treten (und ich bin sicherlich kein ausgesprochener Google Fan), so etwas? (ist eine rhetorische Frage :P )

      Aber vor allen Dingen: WARUM BLEIBT DAS OHNE KONSEQUENZ?

      Und: was können wir alle gegen eine solche absichtliche Missinformation tun?

      Ich finde es einfach so unsäglich, ich kann es gar nciht in Worte fassen. Es ist falsch, falsch, falsch...

      Auch mit viel gutem Willen der Person, die das Video erstellt hat, einen unbeabtsichtigen Fehler ("Whoopsie") zu unterstellen, kann es ja nicht sein. Egal, woher das Video kommt, m. E. muss ein offizielles Gremium Informationen immer sehr sehr sorgfältig recherchieren, bevor sie verbreitet werden.

      X( ;( :S :wacko:

      Hanni

      PS: Hier eine kurze Zusammenfassung:
      9to5google.com/2018/08/29/pres…e-of-the-union-addresses/
      Oder bei SPON auf deutsch: spiegel.de/politik/deutschland…n-echtzeit-a-1224582.html

      Diese Darstellung hier erscheint mir recht ausgewogen, dort wird auch differenziert auf mögliche Gründe eingegangen: blog.erratasec.com/2018/08/deb…laim-of-googles-sotu.html

      PPS: Das Politiker schon immer Propaganda in ihrem Sinne betreiben, ist mir durchaus klar, aber so unverhohlen, ohne Recherche, relativ einfach widerlegbare Unwahrheiten zu verbreiten, ist eine ganz andere Hausnummer...
      Don't speak unless you can improve the silence.
      Ich habe langsam aufgehört mir alle diese Fragen zu stellen.

      Ich habe so das Gefühl, jeder kann heute einfach machen was er/sie will und es bleibt ohne Konsequenzen.
      Ich meine, Clinton hätten sie fast abgesetzt weil er eine Praktikantin ge-dingst hat.
      Der hier lügt und betrügt und kollaboriert evtl. mit Russland, ist blöd wie ein Päckchen Omo, sagt Sätze wie "grab them by the pussy" und bleibt.

      Unser Innenminister, Herr Seehofer, fällt ja auch deutlich durch seine absolute Inkompetenz auf, genauso wie Söder und unsere Digitalbeauftragte, Frau Bär, die kenne ich zufällig persönlich und ja, die ist tatsächlich so. Früher musste man wenigstens den Anschein von Kompetenz erwecken können, aber nichtmal das scheint heute noch vonnöten zu sein.

      In Sachsen wird von den Rechten gerade ein Mordopfer benutzt und instrumentalisiert, dass sie, wenn es noch am Leben wäre, genauso durch die Straßen gehetzt hätten, wie alle anderen mit Migrationshintergrund. Der Innenminister schweigt, die Polizei schaut zu.
      An alle, die das gut finden: wollt ihr wirklich in einem Land leben, in dem ein pöbelnder Mob marodierend durch dei Straßen zieht, Menschen jagt und alles kaputt macht?
      Vor allem wenn ich mir den Unterschied angucke, die linken Zerstörer, die letztes Jahr Hamburg auf den Kopf gestellt haben (nur zur Verdeutlichung, die Vergangenheit hat mich gelehrt, dass ich das extra betonen muss: finde ich genauso scheiße), die wurden mit allen polizeilichen und gesetzlichen Mitteln verfolgt.

      ich weiß nur eins: ich werde nicht still zugucken. Ich agiere dagegen, ich unterstütze die Gegner der Nazis und als allererstes kämpfe ich bis zur letzten Minute darum, dass hier am 14. Oktober die absolute Mehrheit der CSU fällt.

      Das was im Moment geschieht, ist nicht die Welt, in der ich leben möchte.
      Liebe Grüße
      Pat

      Everything is going to be fine in the end. If it's not fine it's not the end
      Wir haben da ein echtes Problem. In der Prä-Internet-Zeit gab es auch Idioten, die verquere Ideen hatten und unter Realitätsverchiebung litten. Aber die haben im Grunde sehr wenige Menschen erreicht. Im schlimmsten Fall haben sie irgendein selbstaufgelegtes Printmedium in kleiner Auflage erstellt. Ob wir in dieser Zeit jemals etwas von einem Steve Bannon gehört hätten?

      Das Netz hat die Möglichkeiten manipulativer Einflussnahme für viele geöffnet. Jeder kann jeden erreichen. Vor allem finden sich alle Vertreter verquerer Ideen leichter zusammen und bilden eine kritische Menge. Sie können Meinung machen. Und eine sehr gezielte Meinungsmache ist natürlich die, alle anderen Meinungsmacher, nämlich die traditionellen Medien, als "Fake News" oder hierzulande als "Lügenpresse" zu degradieren und damit die eigene "Wahrheit" zu überhöhen.

      Und ein Donald Trump, der im Gegensatz zu autokratischen Herrschern die traditionelle Medienlandschaft (TV, Radio, Print) in einer gefestigten Demokratie, wie sie die USA noch immer sind, nicht flächendeckend unter Kontrolle bekommen kann, weiß natürlich ebenfalls, dass er über die Sozialen Medien manipulieren kann. Es hat eben schon Gewicht, wenn der Mensch mit dem höchsten Amt im Staat sagt, die Medien verbreiten "Fake News". Egal, ob es stimmt oder nicht.

      Und natürlich hat die Geschwindigkeit zugenommen, in der Nachrichten verbreitet werden, egal ob fake oder echt. Das setzt die traditionellen Medien unter Druck, ebenfalls schneller zu operieren, was natürlich auch zu Lasten der Nachrichtenqualität und Nachrichtenechtheit geht.

      Es stellt sich aber immer noch die Frage, warum sich so viele Menschen manipulieren lassen (wollen). Warum Informationen nicht von jedem einzelnen kritisch hinterfragt werden, sondern warum so viele so gerne auf einen Zug aufspringen und die Parolen mitbrüllen. Das erinnert dann doch sehr, sehr ungut an Deutschland vor 80 Jahren. Warum lassen sich immer wieder so viele Menschen mobilisieren, um eine kleine Menschengruppe zum Sündenbocke zu machen, egal wie der Sündenbock heißt: Migranten, Flüchtlinge, ...., Juden. Was wird da getriggert? Fehlt da die Bildung? Geht es diesen Menschen wirklich so schlecht? Warum diese Lust auf Hass?

      - - -

      Über Seehofer und Söder mag ich gar nicht nachdenken Das widert mich einfach nur an, weil da nichts weiter hinter steckt als kalkulierter Wählerfang. Die Reiten eine Welle, die sich sich in Ungarn und auch in Östereich abgeguckt haben. Und ich hoffe einfach inständig, dass sie damit so dermaßen auf die Nase fliegen. Im Gegensatz zu anderen Ländern, wo diese ganzen neuen nationalkonservativen (und das ist noch ein nettes Wort dafür) auf dem "Vormarsch" sind, manifestieren sich diese im Wesentlichen in neuen Parteien, die es vorher nicht gab. In Deutschland ja auch mit der AfD. Und das alte Zirkuspferd CSU ist sich nicht zu billig, zaghaft auf diesen nach rechts schwenkenden Zug aufzuspringen, um keine Wähler zu verlieren, wobei eine christsoziale Partei, die ihr schönes Bayernland liebt, ja eigentlich sagen müsste, auf diese Wähler verzichten wir gerne. Pfui Teufel, wenn ein Seehofer sagt, dass es rechts der CSU keine Flanke geben darf - wie weit nach rechts würden die denn gehen wollen, muss man sich da fragen?
      rauchfrei seit 17.01.2008 / Bewegen Sie den Mauszeiger durch den Nebel und schmutzigen Luft
      Nun, Trump hat das Video zumindest nach einiger Zeit wieder gelöscht.
      Aber dieser Kampf eines Staatsiberhaupts gegen die Menschen im eigenen Land (Konzerne, Medien, ...) hat schon wirklich etwas absurdes.

      Über bayrische Politiker bekomme ich weniger mit, seit ich nicht mehr in Bayern lebe. Gut, vom Seehofer schon, leider.

      Was im Moment in Sachsen abgeht, ist auch dramatisch. Ich habe Berichte von Menschen gelesen, die sich aufgrund ihres Aussehens gar nicht mehr in diese Ecke trauen. Ob es berechtigt ist oder auch eher eine Paranoia wie nach Silvester in Köln vor zwei Jahren, kann ich nicht sagen. Aber eine Art von „No-Go Zones“, in welche Richtung auch immer, ist etwas, das mag ich mir wirklich nicht vorstellen.
      Don't speak unless you can improve the silence.
      Bei Trump frage ich mich schon seit langem eigentlich nicht mehr, warum der sich all das, was er tut, sagt und twittert leisten kann, ohne dass es Konsequenzen mindestens im Ansehen, eigentlich doch aber wenigstens im Abwenden der halbwegs gemäßigten Republikaner haben müsste?

      Es ist unfassbar, auch und gerade, weil er munter fake infos verbreitet und dies eben keine Konsequenzen für ihn hat.

      Und ich sehe es ähnlich wie Lag: wo früher max. der sonntägliche Stammtisch oder ein Leserbrief in der Tageszeitung Medien waren, über die sich das braune und rechte Pack unter den Normalbürgern austoben konnte, posten sie es heute in sozialen Medien, Forenbeiträgen auf den Webseiten überregionaler Zeitschriften und so fort. Und dort finden sie zahlreiche Stimmen, die die Welt ähnlich verquer sehen. Prompt fühlen sich auch noch bestätigt und bekommen durch die Posts anderer durch deren "Informationen" noch viel mehr Futter für ihre Verschwörungs-, Fake News- oder sonstigen "Wahne"... Viel mehr jedenfalls, als sie es früher durch Gespräche mit anderen erhielten.

      Ich stehe jedenfalls meistens auch fassungslos davor und weiß nicht recht, was zu tun... Obwohl ich eigentlich nicht mutlos sein möchte, habe ich das Gefühl, dass wir einen Großteil dieser Menschen im Hinblick auf gesunden Menschenverstand, Herzensbildung und Humanismus verloren haben. Und ich habe keine Ahnung, wie der Rückweg aussehen könnte.
      Fellow nichts was die machen ist Zufall. so bleiben sie im Gespräch und stellen sich als widerstandskämpfer der. widerlich.
      Liebe Grüße
      Pat

      Everything is going to be fine in the end. If it's not fine it's not the end
      Ich fand die Inszenierung als "Trauermarsch" im "Beerdigungslook" per se schon zum Ko .... an die Bedeutung der Weißen Rose hatte ich noch gar nicht gedacht, das setzt dem ja noch mal die Krone auf. Dieses ganze Verdrehen von Wahrheiten und manipulative Aneignen von Sachen und Fakten aus völlig anderen Zusammenhängen macht einen so hilflos wütend.
      rauchfrei seit 17.01.2008 / Bewegen Sie den Mauszeiger durch den Nebel und schmutzigen Luft
      Hilflos und wütend trifft auch meine Stimmung.

      Mittlerweile finde ich es schwierig, die gefälschten Nachrichten direkt zu erkennen. Es wird soviel Mist verbreitet, dass ich schon auf die Nachrichten verzichtet habe, nur um zur Ruhe und zum Nachdenken zu kommen. Ständig wird eine neue Sau durch das Dorf getrieben - es ist unerträglich!

      Und ja, wenn ich Äußerungen bestimmter Personen höre/lese, schalte ich automatisch in den "Fake News"-Modus. Weil ich sonst nur noch so :saege :cursing: :boese :kotz1 reagiere. Was nicht gesundheitsfördernd ist.

      Ich bin ehrlich - mir reicht der alltägliche Wahnsinn. Die Psychopathen, die nicht nur in diesem unserem Lande die Meinungsfreiheit missbrauchen, machen mir Angst.

      Eine weiße Rose in diesem Zusammmenhang zu tragen, ist nicht nur geschmacklos.
      :rose Carpe diem! :rose
      Oder:
      Das Leben ist zu kurz für schlechten Wein!
      Hach, Maaßen, Chemnitz, etc. Alles zum Kotzen. Ich versinke nicht in Hoffnungslosigkeit, aber ich bin neben der Fassungslosigkeit oft auch wütend. Und das mag ich eigentlich nicht sein.
      Heute wieder, das Trumpeltier. Behauptet mal wieder einfach irgendwelche Dinge, die völlig falsch sind, aber anstelle einer Richtigstellung kommt ein Papier aus dem weißen Haus, das einem Diktator mehr als würdig ist. Ich habe so eine Selbstbeweihräucherung noch nicht gesehen!
      Ich weiss, es ist müßig, aber ich krieg bei sowas echt die Krise. Wieso nehmen seine Mitarbeiter das alles so hin?
      Dateien
      Don't speak unless you can improve the silence.
      Sorry, habe ich nicht gecheckt.

      Es ist keine Lüge, wenn man behauptet, für Donald Trump schlage bald die Stunde der Wahrheit. Dem amerikanischen Präsidenten droht das, was er unter allen Umständen verhindern will: Er muss wahrheitsgemäß aussagen und die Frage klären, ob russische Einflussagenten bei der Präsidentschaftswahl 2016 ihre Hände im Spiel hatten. Haben sie Trumps Wahlkampfteam belastendes Material gegen Hillary Clinton zugespielt? Was wusste der Kandidat? Vorsorglich ließ sein Anwalt Rudy Giuliani die Öffentlichkeit schon einmal wissen: "Wahrheit ist nicht Wahrheit.""Truth isn’t truth" – ehrlicher kann man es nicht sagen. Tatsächlich, so hat die Washington Post kürzlich nachgerechnet, setzt Trump "täglich 6,5 falsche oder in die Irre führende Behauptungen in die Welt". Er führt sich auf wie der Sonnenkönig im Reich der Wörter: Mr. President entscheidet selbst, ob er meint, was er sagt; ob seine Sätze etwas bedeuten oder ob sie nichts bedeuten. Es gibt Wortausstoßungen, deren Verfallsdatum bereits abgelaufen ist, noch ehe sie in die Welt gezwitschert sind. Dann wiederum macht Trump genau das, was er sagt: Er droht, das Atomabkommen mit dem Iran aufzukündigen. Und er tut es auch.Jedenfalls fällt auf, dass Trump beim Reden keinerlei Anstrengung unternimmt, sich zu verstellen oder ein falsches Spiel zu spielen. Im Gegenteil, Trump hat nichts Lügenhaftes. Sein Körper und seine Sprache bilden eine natürliche Einheit; Intonation und Gestik wirken echt unverkrampft, nichts klingt bigott oder gekünstelt. Trump redet obszön, aber nicht verlogen. Seine Worte sprechen ihm aus dem Herzen.Was also, wenn Trump beim Lügen ehrlich ist? Wenn dem Anführer der freien Welt der Unterschied zwischen wahr und falsch aufrichtig unverständlich bleibt? Was wäre, wenn Trump sein Wahlversprechen ("Ich werde euch stets die Wahrheit sagen") aus seiner Sicht noch nie gebrochen hat? Kurzum, welches Verhältnis hat jemand zur Sprache, der glaubt, er sei ein wahrhaftiger Mensch auch dann, wenn er in den Ohren seiner Kritiker offensichtlich lügt?Donald Trump, so lautet die Antwort, hat zur Sprache dasselbe Verhältnis wie zum Geld: Er betrachtet sie als sein Privateigentum. Trump ist nicht nur Großgrundbesitzer, er ist auch Großwortbesitzer, und so wie ihm sein Geld ganz allein gehört, so gehören ihm auch die Sprachbedeutungen. Sie sind sein symbolisches Kapital. Mit ihnen kann er machen, was er will.Und was macht der Immobilienhändler mit seinem symbolischen Kapital? Er bewirtschaftet es, er dealt mit Wörtern und investiert sie in sein neues Geschäftsfeld, in die Vermehrung politischer Macht. Wie sich der erfolgreiche Kapitalist Trump einst mit seinem Geld überall eingekauft hat, so kauft sich der Präsident nun in die politischen Geschäfte ein. Trump erwirbt semantische Anteile an der Wirklichkeit oder erschafft wortreich eine neue: Die Nato ist ein Misthaufen, die Russlandaffäre eine Verschwörung der Linken, und "Deutschland wird total von Russland kontrolliert". In Trumps Mund werden Wortbedeutungen flüssig, und so wie man ein Preisschild mal auf dieses, mal auf jenes Erzeugnis klebt, so tauschen sie bei ihm ständig ihren Gegenstand. Plötzlich ist die Nato kein Misthaufen mehr, sondern wieder "great". Und "little rocket man" Kim Jong Un ein bedeutender Staatsmann.Es sind nicht nur Trumps irre Tweets, es sind auch seine spontanen Äußerungen, die den Eindruck erwecken, in seinem Kopf zirkulierten Wortströme wie ein Geldkreislauf. Mit den symbolischen Kapitalien spekuliert er scheinbar völlig wahllos und unberechenbar; abrupt bringt er neue "Tatsachen" ins Spiel ("Wenn ich je des Amtes enthoben werden sollte, würde der Markt zusammenbrechen"), abrupt zieht er – wie nach seinem Treffen mit Putin in Helsinki – alte "Wahrheiten" zurück. Anders gesagt: Trump benutzt die Sprache als situatives Investment auf dem politischen Markt. Findet er Zustimmung, dann ist seine Aktion rentabel und wirft Gewinn ab: mehr Ruhm, mehr Macht, bessere Quoten.Moral ist unprofitabelSprechakte als politisches Investment: Vielleicht ist das der Grund, warum Donald Trump den Vorwurf, er sei ein notorischer Lügner, mit ehrlicher Empörung zurückweisen würde. In seinen Augen, darf man vermuten, sind bürgerliche Kriterien wie Wahrheit und Lüge schlichtweg die falschen Maßstäbe und taugen nicht zur Bewertung präsidialer Sätze. Sie stammen aus einem fremden, einem altertümlichen Geschäftsfeld – aus dem der Moral. Und Moral ist die Erfindung von Verlierern, damit kann man sich nichts kaufen. Moral ist unprofitabel.Was zählt stattdessen? Es zählen Gewinn und Verlust, Nutzen und Nachteil. Wenn Trump eine verbale Investition tätigt und daraufhin am Meinungsmarkt seine politischen Aktien steigen, dann hat er gewonnen. Wenn dagegen der öffentliche Druck so groß wird, dass er sich korrigieren und einen Rückzieher machen muss, dann wurde seine Gewinnerwartung kurzfristig enttäuscht. Deshalb hat Trump, jedenfalls aus seiner Sicht, bislang nie gelogen; er hat sich bei seinen semantischen Transaktionen lediglich verkalkuliert. Eine Katastrophe ist das nicht, denn wie beim Immobilienkauf gehört der subjektive Irrtum zum Wesen des kapitalistischen Geschäfts objektiv dazu. In dieser Welt gibt es Gewinner und Verlierer, und auch Siegertypen dürfen einmal leer ausgehen.Mit einem Wort: Donald Trump ist das Musterexemplar des ökonomischen Menschen. Dieser Menschentyp, so beschreibt ihn der Kulturwissenschaftler Joseph Vogl, "sortiert die Dinge der Welt nicht nach wahr und falsch, gut und böse, gerecht und ungerecht, sondern nach den Kriterien von Gewinn und Verlust". Seitdem der ökonomische Mensch historisch die Bühne betrat, gibt es die Befürchtung, sein Denken könne auf andere Sphären des Lebens übergreifen und sie in Mitleidenschaft ziehen. Das Wesen des Marktes, so schrieb der junge Karl Marx, verhext die Welt und macht sie abstrakt; die Dinge verlieren ihren natürlichen (Gebrauchs-)Wert und haben nur noch einen ökonomischen, einen Tauschwert. Ganz ähnlich verfährt Trump mit der Sprache. Er macht die Wörter so volatil wie Geld; er dereguliert ihren Bedeutungskern und entzieht ihnen den kommunikativen Kredit. Damit haben Trumps Wörter nur noch einen politischen Tauschwert und gehorchen nur einer einzigen Grammatik: dem Willen zur Macht.Wem die Erwähnung von Karl Marx nicht gefällt, der sollte Johann Wolfgang von Goethe lesen, er ist noch radikaler. Gut zehn Jahre bevor Marx mit seinen Aufzeichnungen zum Wesen des Geldes begann, beschreibt Goethe in Faust II, wie das neue Papiergeld seinem Besitzer die totale Käuflichkeit der Menschenwelt in Aussicht stellt. "Zum Silber Gold, dann ist es heitre Welt / Das Übrige ist alles zu erlangen: / Paläste, Gärten, Brüstlein, rote Wangen."Wie Marx, so war auch Goethe, der in seiner Bibliothek fünfzig Bücher über Nationalökonomie aufbewahrte, dunkel fasziniert vom Marktgeschehen und empfand es als eine revolutionäre Gewalt, die alle eingerosteten Verhältnisse auf den Kopf stellte. Was ihn allerdings zutiefst beunruhigte, das war die Macht, mit der die kapitalistische "Oeconomie" von alten sprachlichen Traditionen Besitz ergriff. Faust II, das hat der Literaturwissenschaftler Heinz Schlaffer eindrucksvoll gezeigt, inszeniert einen "Mummenschanz" der Worte, einen frivolen Karneval, bei dem die alten Namen hinter wechselnden Masken verschwinden und buchstäblich verrückt werden. Während zwischendurch alles in Flammen aufgeht, zirkulieren Worte wie Papiergeld und verlieren in einem babylonischen Blabla ihren überlieferten Sinn. Die Sprache wird allegorisch, sie wird chiffrenhaft und gespenstisch. Nur am Rande: Wenn Trump verbal aus der Hüfte schießt, dann redet er stakkatohaft in Formeln und Sinn-Masken. "Angela!", "Russia!", "China!", die Reihenfolge ist egal. Die Menge grölt dann in Chiffren zurück: "USA! USA! USA!"Man wird einwenden, Sprachpolitik sei schon immer das Vorrecht des Königs gewesen, gleichsam das Privileg des Souveräns, schließlich habe auch Obama sein rhetorisches Kapital eingesetzt, um dem amerikanischen Volk ein Weltbild zu servieren. Doch Trump schafft keine neue Erzählung, er ruiniert die Reste der alten. Damit bestätigt der Welthandelskrieger, was geniale Hellseher schon im 19. Jahrhundert als eine mögliche Tendenz des liberalen Zeitalters beschrieben haben: nämlich die Ausweitung der ökonomischen Kampfzone auf das, was den Menschen ausmacht – die Ausweitung auf die Sphäre der Sprache.Donald Trump, der die Vereinigten Staaten wie eine Firma führen will, hat also nicht bloß schlechte Manieren, das wäre noch geradezu tröstlich. Nein, er ist – ganz leibhaftig – der Sprachkörper des Geldes und vollendet den Besitzindividualismus als historische Farce. Dem Ego des Liberalismus ist bekanntlich alles erlaubt, was nicht ausdrücklich verboten ist, und deshalb ist es für dieses Ego ganz natürlich, wenn es in der ungestörten Ausübung seines freien Willens auch die öffentliche, die allen gemeinsame Sprache zu seiner Verfügungsmasse erklärt. Trump ist dieses liberale Ego; er hat sich, wie die rechten Medien schon vor ihm, aller bürgerlichen Hemmungen entledigt und benutzt Worte allein zur Maximierung von Macht oder zur Verhöhnung des Gegners, während er das, was in der Sprache auf Kooperation und Verständigung angelegt ist, anstandslos eliminiert. Trumps Sprachgebrauch ist die Maske des Darwinismus; wahr ist für ihn das, was im Lebenskampf Profit abwirft. Wer die Welt so sieht wie er, der sieht sie als Krieg.
      Sich selbst besiegen ist gar nicht so schwer, sofern man nur richtig Partei nimmt zwischen den beiden Seelen in seiner Brust!
      Ja, schlimm genug. Es ist auch so, dass er tatsächlich Methoden verwendet, die er in seinem Buch "The Art of the Deal" beschrieben hat. Er verwendet ja meistens Superlative, wenn er von irgendwelchen Dingen spricht. Noch nie dagewesen... der Beste auf der ganzen Welt, die meisten Anordnungen, die je ein Präsident unterzeichnet hat, der gefährlichste Sturm aller Zeiten, lalala...
      Er sagt, die Menschen wollen das so hören, und so ist es wohl. Wir scheinen wohl sehr einfach gestrickt zu sein und die einfachsten psychologischen Tricks funktionieren bei einem Großteil recht gut. Wenn man eine Sachen nur oft genug wiederholt, glauben die Menschen sie auch.
      Ich persönlich kann Extreme nicht leiden, da sie sich so unrealistisch anfühlen, wie sie sind.

      Aber es funktioniert. In den USA hatten wir in der Highschool vor dem Footballspiel immer eine Pep Rally. Dazu wurden alle Schüler in die Turnhalle geholt und mit Parolen, Musik, etc. so richtig angeheizt. Wir sind die besten, die tollsten, die Gewinner, ... Mir war das damals schon sehr fremd, aber diese Art von Gruppendynamik funktioniert ja überall, bei Demos, im Krieg, bei Sportereignissen, ...

      benutzt Worte allein zur Maximierung von Macht oder zur Verhöhnung des Gegners, während er das, was in der Sprache auf Kooperation und Verständigung angelegt ist, anstandslos eliminiert


      Schauderhaft!

      Bei Twitter schreiben immer wieder Menschen, man sollte ihn doch selbst mal an einen Lügendetektor anschließen, der würde dann komplett verrückt spielen. Nein, ich glaube, dass Trump die Dinge so bewusst sagt, dass er sie in dem Moment auch so glaubt, weil er der Ansicht ist, dass es völlig normal ist, Dinge so auszudrücken.
      Don't speak unless you can improve the silence.
      Bäumchen, weil das leider so ist, dass viele Menschen dem glauben, der am lautesten schreit. Und wenn er dann auch noch das schreit was sie gerade gerne hören wollen...
      Guck nach Chemnitz...
      oder geh mal hier auf dem bayerischen Land in die Kneipe an den CSU-Stammtisch

      funktioniert fast überall
      Liebe Grüße
      Pat

      Everything is going to be fine in the end. If it's not fine it's not the end