"Endlich hat ein Hitler-Attentat geklappt"

      Hi!

      Was Veitw schrieb, teile ich ohne Abstriche. Ebenso sie Haltung all derer, die sich selbst nicht schuldig fühlen an einem Ereignis, dass lange vor unserer Geburt (oder sogar der unserer Eltern) lag.

      Wer sollte also warum ein Interesse daran haben, diesen Kerl möglichst originalgetreu wiederhergestellt zu betrachten ?
      Meiner Meinung nach: Jeder! Denn der größte Fehler, den wir machen können ist ihn und seine Clique als etwas Besonderes zu sehen; sie zu dämonisieren. Ãœberhaupt finde ich bedenkenswert: "Abbildungsverbote" kenne ich sonst eigentlich nur aus dem religiösen Kontext. Ich denke, es ist wesentlich besser, ihn zu entmystifizieren, zu zeigen, dass er ein "normaler" Mensch war - er hätte auch Müller, Meier, Schmidt heißen können - und lieber die Mechanismen zu diskutieren, mit denen dieser durchschnittliche Idiot an die Macht gelangen konnte. Er hatte nichts Ãœbermenschliches; nichts Großes und vielleicht kann man das durch eine Wachsfigur/ eine dreidimensionale Darstellung sogar besser zeigen, als durch eine Filmdokumentation.

      Ein wenig OT weitergedacht:
      So betrachtet kommt man dann nämlich auch zur Erkenntnis (siehe Morton Rhue: The Wave), dass die Mechanismen eben nicht mit diesen Leuten gestorben sind. Die Debatte ist so fixiert auf diese Personen und vor allem auf die Grauen insbesondere der Jahre von 1940 - 45 und wird - hier wie auch sonst - so emotional geführt, dass wir Gefahr laufen, wesentliche Fragen nicht nüchtern zu stellen oder zu beantworten. Viele halten es für so singulär, dass in der Debatte Vergleiche und Parallelen, die vielleicht notwendig sind, nicht gezogen werden. Oft mit dem Verweis, dass dies das Unrecht relativieren würde. Ãœber diese fünf Jahre wird mehr geschrieben und diskutiert als über die 22 Jahre davor, obwohl doch eigentlich in genau dieser Zeit dasjenige geschehen sein muss, was wir auf jeden Fall zukünftig verhindern müssen. Es gab eben nicht nur ein paar Politiker und Demagogen, die die Macht ergriffen und misbraucht haben; es gab eine Republik und ein Volk, die diese Macht dargeboten haben.

      Wie wurde also ein Mensch ohne irgendwelche herausragenden Qualitäten, ein Niemand, zum Diktator (gemacht) - dass wäre die Frage, die man stellen muss. Und ein paar der "Bausteine" auf dem Weg finde ich gespenstisch und die bereiten mir heute eher Sorgen. Ganz oberflächlich dargestellt: 1918 schien man auch zu denken, in Wilhem II den Dämon gefunden zu haben, der für das Grauen der "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts" singulär verantwortlich war. Man hatte einen Krieg erlebt mit bis dato ungekannten Grauen und Abermillionen Toten. In nur einer Generation hatte dieses Grauen schon keine abschreckende Wirkung mehr und war vergessen - vielleicht auch, da man es so eng verknüpft mit den handelnden Personen sah? Weil in der Betrachtung auch nur nach Schuldigen gesucht wurde, statt nach den Ursachen?
      Angesichts einer Weltwirtschaftskrise und einem Auseinanderklaffen zwischen Arm und Reich, Politikverdrossenheit und bei galoppierender Inflation gabs Applaus und Wählerstimmen für Parolen, welche die Entmachtung dieser Kreise ebenso versprachen wie eine Enteignung der internationalen Geldscheffler, Wohlstand für Alle und das man diese Ziele zur Not auch ohne die anderen Staaten umsetzen wolle. Das man gar "die Systemfrage" stellen wolle oder müsse, war auch lange vor 1933 nachzulesen.

      Den Faden kann man zwar jetzt beliebig so weiterspinnen, aber man muss auch festhalten: Geschichte wiederholt sich nicht, jedenfalls nicht in der Form von Naturgesetzen "wenn ... dann ...". Ich denke aber, wie gesagt, wenn man die handelnden Personen so sehr in den Mittelpunkt rückt, übersieht man zu leicht die vielen anderen Faktoren und begnügt sich damit, den Vergleich in diesen Einzelpersonen zu finden und nicht in uns allen. Und nur das - unbestritten wichtige - Gedenken an vergangenes Grauen und Unrecht alleine war zumindest schoneinmal nicht abschreckend genug.

      Gruß,

      Ghost
      Das Schwierige am Diskutieren ist nicht, den eigenen Standpunkt zu verteidigen, sondern ihn zu kennen! [Andre Maurois, frz. Historiker]
      Was mich -Back to Topic- immer wieder wundert ist dieser Billigantifaschismus, mit dem manche Leute meinen, eine inhaltlich relevante Aussage zu machen. Ob man da einem Wachs-Hitler den Kopf abreißt oder Hakenkreuz-in-Mülleimer-T-Shirts trägt, ist m.E. kein großer Unterschied. Und natürlich macht es eine solche Dämonisierung von Personen und Symbolen für den unbedarften Guten leichter, sich auf der richtigen Seite zu fühlen.

      Unterdrückung, Faschismus, Unrecht in staatlicher Form wird in den meisten Fällen von der ganzen Bevölkerung bzw. zumindest großer Teile mitgetragen. Und da gibt es mit oder ohne historische Verantwortung einen ganzen Haufen von Anlässen, das Hier und Jetzt zu hinterfragen.

      Als 1933 erst einmal die KP-Ortsvereine und -kneipen gestürmt wurden, als alles verhaftet und enteignet wurde, was sozialistisch roch oder klang, da vollzog die Polizei alles was angeordnet wurde und einiges mehr mit Feuereifer. Und der konservativ bis deutschnational gesonnene Teil der Bevölkerung fand das nicht zu beunruhigend. Schließlich diente das der guten Sache. Die Abschaffung des Rechtsstaates kümmerte einen Großteil der Deutschen erst einmal nicht. Man lebte ja bald im Gefühl der Sicherheit und mehr und mehr in bescheidenem Wohlstand.

      Wenn heutzutage jemand dies sicher versprechen könnte um den Preis der Rechtsstaatlichkeit, ich bin mir nicht sicher, ob wir alle vor einer solchen politischen Figur gefeit wären. Schon weil es kein Dämon wäre sondern derjenige, der das verspricht und anbietet, was das Volk will. So wie damals.

      Hier gilt es, aufmerksam zu sein. Antifaschismus als Mäntelchen mit sich rumtragen kann jeder.

      lG hoboe
      Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better. (Samuel Beckett)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „hoboe“ ()

      Muenchener schrieb:

      Lest ihr eigentlich den Käse, den ihr hier schreibt, bevor ihr ihn abschickt? Gibt da sone Funktion, die heißt Vorschau. ?(
      Kennst du die Funktion auch?
      Mary reden wir über dich, dass ist mir jetzt entgangen...! Ich habe lediglich meine Meinung geäußert und ist das nicht erlaubt in einer Diskussion, oder liege ich da auch falsch....na denn, ich laß mich gerne belehren. Und wenn Diskussionen einfach wären.....wie langweilig und öde...................
      Wenn du hier den Namen Hitler einbringst, musst du mit dieser Richtung rechnen, denn wie schon mehrfach erwähnt - ist das ein Thema, dass wohl noch lange nicht verarbeitet ist. Ich verstehe deine Aufregung in dieser Richtung nicht ganz, viele Leute - viele Meinungen und was ist schon dabei - wenn es mal abschweift....oder steht darauf Kopf abschlagen?
      LG
      Petra
      lappland,
      ich meinte nicht, dass wir über mich reden. Da habe ich mich falsch ausgedrückt. Sorry. Ich meinte das in der Form: "Guck mal, ich habe einen türkischen Freund. Mein Nachbar ist auch Türke. Mit dem verstehe ich mich gut..." Das meinte ich.
      Du schreibst, Du verstehst meine Aufregung nicht. Ich habe lediglich auf Deine Aufregung reagiert. Vielleicht hätte ich heute früh erst mal einen Kaffee trinken sollen...
      Nun gefällt es mir nicht, dass die ganze Diskussion unsachlich wird. Es liegt mir fern, hier irgendjemanden anzugreifen.
      Mary

      Bewusst Sein