Gleichstellung/ Emanzipation: Sachlich begründete Irritationen

      Hi!

      Hanni schrieb:

      wie die Realität im Berufsleben für Frauen bzw. Mütter ist.
      Also, ich habe mir die Beispiele mal durchgelesen ... ja, es ist einiges "Unfaires" dabei, aber andere Dinge sind nun hanebüchen. Beispiel: "Sechs Monate nach der Geburt bin ich mit 20 Wochenstunden wieder eingestiegen, mein ursprüngliches Gehalt wurde dafür einfach um 50 Prozent reduziert." - Oh, wie unfair - halb soviel arbeiten und nur halb soviel Gehalt ... ?( ;) Gar nicht zu reden von dem absolut herabwürdigenden Tatbestand, dass ihr (bei 12/20 Stunden im Büro) der Dienstwagen gestrichen wurde.

      Hier verstehe ich sowohl den Frust, aber auch die Geschäftsführung: " Anfang 2010 haben dann aber mehrere Kolleginnen einen Antrag auf Teilzeit-Beschäftigung gestellt - und sofort eine Absage bekommen. Begründung: Aus betrieblichen Gründen - gestiegene Komplexität et cetera - sei dies leider nicht möglich. Nach einigen Wochen und vielen Gesprächen hat der Arbeitgeber dann doch Teilzeitjobs angeboten. Allerdings nur eine Ebene darunter als Product Manager, da man in Teilzeit keine Senior-Position ausfüllen könne."
      Ich denke mal, eine leitende Angestellte in Teilzeit konnte man kompensieren, aber wenn es viele werden, dann entstehen m.M. doch erhebliche Reibungsverluste. Die Begründung ist natürlich etwas unehrlich, was aber daran liegt, dass man aus juristischen Gründen nicht die "Wahrheit" sagen kann.

      "Doch derselbe Vorgesetzte legte mir nach sechs Monaten Elternzeit nahe, mir einen neuen Job zu suchen. Begründung: Man wisse nicht, wie oder wo man mich einsetzen solle." Das ist natürlich falsch.

      "Schlussendlich ging die Geschichte noch passabel aus, denn Herrmann hat einen guten Draht zu ihrem Abteilungsleiter. Er erteilte eine klare Anweisung, und plötzlich war die Teilzeitstelle doch möglich. "Die Rückendeckung von oben hat geholfen", sagt Herrmann." Das halte ich nicht für einen "Skandal". Man hat es immer mal, dass der nächste Vorgesetzte ein Aas ist ... dann muss man das Aas eben ausspielen. Und zwar Bande über einen höheren Vorgesetzten.

      "Nur wenige Arbeitgeber bieten Teilzeitstellen für Führungskräfte an - und die meisten Manager finden das sogar richtig." Diesen Gedanken teile ich grundsätzlich auch. Sicher gibt es Fälle, in denen es möglich ist, aber generell? Eher nein. Nehmen wir unser Referat: Ich hätte Bedenken, ob man noch Zeit hätte, neben Meetings- und Routinearbeiten, sich mal zusammen zu setzen, um schwierigere Sachen durchzusprechen. Wenn man anführt, dass es ja auch Stellvertreter gibt, wende ich ein: Moment, Stellvertreter ja, aber es kann nicht auf Dauer sein, dass ich zusätzlich zu meinen Aufgaben dann auch noch teilweise seine Aufgaben übernehme, aber in Bezahlung und Hierarchie eine Stufe unter ihm bliebe. Anders ausgedrückt: Es soll seine Probleme nicht zu meinen machen :D .

      FU-Fighter schrieb:

      Das Amt des Bundespräsidenten besteht eigentlich nur Repräsentation, daher ist hier der Partner auch viel wichtiger.
      Sehe ich absolut nicht so. Wo steht, dass der Bundespräsident verheiratet sein muss? Er kann auch ganz alleine repräsentieren. Wenn man - meine Meinung! - will, dass auch die Gattin repräsentiert, dann ist das zu vergüten; Wirtschaftsgemeinschaft hin oder her. Und wenn sie mit repräsentieren soll - warum dann nicht auch bei der Ausfertigung von Gesetzen mitwirken? Ich bleibe dabei: Pflichten hat einzig und alleine die gewählte Person. Ich finde es eigentlich auch abenteuerlich, dass überhaupt "Familie haben" ab einer bestimmten Ebene ein Thema ist. Mir persönlich ist völlig Rille, ob Joschka Fischer und Gerhard Schröder x-mal verheiratet waren oder ob Wulff geschieden ist oder ob es eine Patchwork- Familie ist. Gerade solche Aspekte des politischen Konservativismus vergrätzen mich ja (deshalb hacke ich auch so gerne auf der CSU/ den Bayern :D herum).
      Hinsichtlich Sauer habe ich vor längerer Zeit mal eine Reportage gesehen (im Wahlkampf?). Jedenfalls wurde dort ein wichtiger Aspekt angesprochen: "Entweder ganz oder gar nicht." Theoretisch könnte er an ihrer Seite sicherlich häufiger stattfinden, aber das wäre u.U. hinsichtlich des Protokolls/ der Außenwahrnehmung schwierig. Wenn er zum Beispiel bei einem Staatsbesuch dabei ist, dann wieder nicht, kann es als "Herabwürdigung" des Gastes interpretiert werden.

      Gruß,

      Ghost
      Das Schwierige am Diskutieren ist nicht, den eigenen Standpunkt zu verteidigen, sondern ihn zu kennen! [Andre Maurois, frz. Historiker]