ab 05.02: John Irving "Gottes Werk und Teufels Beitrag"

      BlueCat schrieb:

      Das würde auch die Jahreszahlen erklären für mich.
      193-

      Ah, und gerade bei denen (die übrigens bisher das Einzige sind, was mich irritiert) dachte ich, die Geschichte sei vielleicht angelehnt an eine wahre Begebenheit und daher die Jahreszahlen so komisch verschleiert.

      Zu den Klammern hatte ich mich ja vorher schon geäussert; ich hatte die wirklich nicht bemerkt und selbst jetzt, wo sie mir nun deutlich auffallen, stören sie mich nicht.

      Da ich immer noch nicht kurz nochmal ins 1. Kapitel reingeschnuppert habe, kann ich an dieser Stelle nur anmerken, dass mir das Buch auch nicht ganz so leicht von der Hand geht, bzw. mir teilweise recht deutlich der Film vor Augen ist, daher kann ich auch den Eindruck nicht teilen, dass zu den Figuren kein inneres Bild entsteht, weil ich leider ein vorgefertigtes habe durch den Film :boese
      Liebe Grüße,
      Schelmine

      Eigentlich bin ich sehr hübsch; das sieht man nur nicht so.
      :zopf

      Schelmine schrieb:

      bzw. mir teilweise recht deutlich der Film vor Augen ist, daher kann ich auch den Eindruck nicht teilen, dass zu den Figuren kein inneres Bild entsteht, weil ich leider ein vorgefertigtes habe durch den Film

      BlueCat schrieb:

      Bei Homer Wells muss ich immer an Tobey McGuire denken. Der spielt ihn doch in der Verfilmung, oder? Ich habe das neulich in der Fernsehzeitschrift gelesen, den Film aber zum Glück nicht gesehen.

      Genau deshalb habe ich obiges bereits geschrieben.
      Ich finde es immer unglücklich, wenn man einen Film schon gesehen hat und dann erst das Buch liest. Da bleibt so wenig Freiraum für Kopfkino.
      Genau das liebe ich beim Lesen.
      Daher kann ich dich gut verstehen Schelmine.

      ThomasRalf, das mit den Schwestern und die Differenzierung, dass eine verliebt ist und die andere nicht, empfand ich als relativ überflüssige Information.
      Aber vielleicht geht da noch was später im Buch? :braue
      Glaub ich aber nicht, denn sie erscheint mir eher etwas phantasielos (siehe Namensgebung der Kinder) und einfach. Ich glaube, dass Larch auf etwas anspruchsvolleres stehen würde.

      Liebe Grüße
      blue

      PS: Wo sind die anderen Leser? :)
      Früher war mehr Lametta.

      BlueCat schrieb:


      ThomasRalf, das mit den Schwestern und die Differenzierung, dass eine verliebt ist und die andere nicht, empfand ich als relativ überflüssige Information.
      Heute kriegt blue alle Fragen von mir ab ;) , antworten dürfen aber auch andere. Wieso denn überflüssig? Ist nicht die Info, ob jemand verliebt ist oder nicht eine viel interessantere Differnzierung von (Neben-)figuren als die Info, ob die nun Gaby oder Susi heißen?
      rauchfrei seit 17.01.2008 / Umwege erhöhen die Ortskenntnis

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „lagarto“ ()

      BlueCat schrieb:

      ThomasRalf, das mit den Schwestern und die Differenzierung, dass eine verliebt ist und die andere nicht, empfand ich als relativ überflüssige Information.

      Komisch, das ist so ziemlich die einzigeste Stelle, an der er nicht dreimal alles erklärt und ein gemachtes Bild bestätigt. Für mich erging sich daraus folgendes Bild. Die verliebte Schwester ist jünger und verspielter als die andere. Keine Ahnung, wie ich darauf komme. Auch Ältere dürfen sich verlieben, ich weiß. Aber die Nichtverliebte wirkt erwachsener, steht mehr mit beiden Beinen im Leben. Das erklärt auch die Namengebung der beiden für die Waisen.

      Zum 1. Kapitel: Es zieht sich teilweise sehr hin. Zum Beispiel die Namensgebung fand ich zu lang. Oder die Naturbeschreibungen, die einem sicherlich ein Bild geben sollen, fand ich nicht mitreißend, eher öde. Dafür sind die Beschreibungen um Homer oder das Waisenhaus sehr packend und mitreißend. Es ist ein Hin und Her zwischen der Ãœberlegung, ein, zwei Zeilen zu überspringen und dem Packenden. Wie eine Achterbahn der Gefühle.

      Verschachtelte Sätze sind mit nicht aufgefallen. Aber die Jahreszahlen machen mich auch verrückt! Ich denke, der Strich ist einfach eine Null?

      Warum hat er solch einen Hass auf die Papierfabrik, die er nie erlebt hat. Nur wegen der zerstörten Natur oder wegen seinem Vater? Das Verhältnis verstehe ich noch nicht so recht. Er hasst ihn, wegen dem Suff – oder ist da noch mehr? Und die Prostituierten - weil sie vorrangig ungewollte Kinder aussetzen oder abtreiben wollen? Oder wegen seiner Erfahrung und der jahrelang mirgeschleppten Krankheit?

      Warum findet Homer keine Pflegefamilie? Das ist mir nicht ganz klar. Mir sind jetzt nur zwei Beispiele in Erinnerung geblieben: Das sexuelle Vergehen und der Tod der Sportler. Was ich komisch fand, dass Homer zum Sportlerehepaar recht schnell ein Verhältnis aufgebaut hat, dafür, dass er schon jahrelang im Heim war. Und wieso war es wichtig, dass er sie beim Sex gehört hat? Wo sie doch danach erschlagen wurden?
      Liebe Grüße von der ollen Seekuh :zopf

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „manati“ ()

      Im ersten Kapitel werden vier Charaktere vorgestellt. Ich möchte zuerst auf die beiden Schwestern Edna und Angela eingehen. Weitere und erkennbar wichtige Charaktere sind Dr. Larch und Homer Wells.
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      Gleich zu Anfang werden die beiden Krankenschwestern Edna und Angela beschrieben. Sie werden beide, obwohl sehr unterschiedlich in ihrer Art und scheinbar auch in ihrem Intellekt, als sehr warmherzige Frauen geschildert.

      Das erste, was man über Schwester Edna erfährt ist, dass sie für sich scheinbar(!) in den Arzt des Waisenhauses verliebt sei. „...wähnte sich in Dr. Larch verliebt.“ Es heißt nicht, sie wäre in Dr. Larch verliebt. Das Wörtchen „wähnte“ lässt den Rückschluss zu, dass sie ihre Gefühle dem Arzt gegenüber mit etwas anderem verwechselt, es aber selbst nicht weiß. Diese Frage findet im ersten Kapitel keine Lösung.
      Eines ist sicher: die Art von Liebe, welche sie empfindet macht blind („liebesblind“) und Schwester Edna wird insgesamt als nicht sehr intelligent dargestellt.

      Es wird am Beispiel der Vergabe der Namen an die Waisenkinder hervorgehoben, dass Schwester Angela mehr Kreativität vorweisen kann. Obgleich auch sie die Namen, welche sie vergibt, aus ihrem Familienkreis entnimmt.
      Schwester Angela erscheint als noch warmherziger als Schwester Edna. Dies kann ich jedoch nicht erklären. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass sie insgesamt (zwischen den Zeilen) positiver hervorgehoben wird als ihre Kollegin. Vielleicht ist es auch dieser Satz: „Mit ihrer Liebe zu Katzen und Waisen...“ Doch ist hier nicht die Reihenfolge zu übersehen; erst die Katzen, dann die Waisen.

      Zusätzliche Gewichtung erhält Schwester Angela dadurch, dass sie es war, die Homer Wells seinen Namen gegeben hat und diesen dadurch zu etwas besonderem macht. Er hat einen außergewöhnlichen Namen.

      Ein weiterer Unterschied zwischen den beiden Schwestern besteht darin, dass Schwester Edna eben Schwester Edna ist, Schwester Angela jedoch auch noch mindestens eine andere Benennung vorweisen kann („von fast allen Schwester Angela genannt“). Irgendjemand nennt sie anders.
      -------------------------------------

      Ich will es dabei erst einmal belassen. Denn ich merke, dass ich mich zu sehr im Detail verliere...
      Mary

      Bewusst Sein

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Mary Poppins“ ()

      So, das habt ihr nun davon. Warum fangt ihr auch so spät an?
      Eben erst komme ich aus der Kneipe und bin, infolge von 7 Bieren in bester Schwafellaune:

      Meine Interpretation:
      a) Homer Wells scheint wie das Produkt, ja das Fötus selbst, des asexuellen Dr. Larch und der Schwester die "scheinbar" in Dr. Larch verliebt ist. (und das Rauchen hasste)
      b) St. Cloud ist so etwas wie die verlängerte Gebärmutter und abtreiben und Homer zum Waisen (weggeben) machen wollen sie, trotz der offensichtlichen gemeinsamen Probleme nicht.
      c) Dadurch ist Homer ein Exot im Heim: Ein zuerst ungewolltes, dann aber (schleichend) akzeptiertes Kind der asexuellen Beziehung von Dr. Larch und Schwester Angela (Angel in St. Clouds - na?? :braue )
      c) Homers Vermittlungsversuche sind metaphysische Stadien der fötalen Entwicklung, bis zu dem Zeitpunkt, wo er sich nützlich macht und damit "quick" ist. Spätestens ab dem Zeitpunkt ist er nicht mehr aus der "Gebärmutter" zu vertreiben.

      Es kann aber auch sein, dass ich Morgen alles ganz anders sehe. :hat3

      :bier - Wonko
      Wonko das ist der Hammer ! Das hast du jetzt nur vom Bier ? Herr Ober, 7 Pils bitte !
      Und das mit den Jahreszahlen ist, weil sie die Woche nicht genau wissen...
      'Würdest du mir bitte sagen, wie ich von hier aus weitergehen soll?'
      'Das hängt zum großen Teil davon ab, wohin du möchtest', sagte die Katze.

      (Alice im Wunderland)
      Ja Leuts, ich würde sagen, das erste Kapitel wäre damit geklärt.

      Wie genial, Wonko, ich lach mich schlapp (und denke trotzdem, dass du trotz oder wegen der 7 Bier sogar recht hast, auf jeden Fall ist es schlüssig)
      Liebe Grüße,
      Schelmine

      Eigentlich bin ich sehr hübsch; das sieht man nur nicht so.
      :zopf

      Wonko schrieb:

      a) Homer Wells scheint wie das Produkt, ja das Fötus selbst, des asexuellen Dr. Larch und der Schwester die "scheinbar" in Dr. Larch verliebt ist. (und das Rauchen hasste)
      b) St. Cloud ist so etwas wie die verlängerte Gebärmutter und abtreiben und Homer zum Waisen (weggeben) machen wollen sie, trotz der offensichtlichen gemeinsamen Probleme nicht.
      c) Dadurch ist Homer ein Exot im Heim: Ein zuerst ungewolltes, dann aber (schleichend) akzeptiertes Kind der asexuellen Beziehung von Dr. Larch und Schwester Angela (Angel in St. Clouds - na?? :braue )
      c) Homers Vermittlungsversuche sind metaphysische Stadien der fötalen Entwicklung, bis zu dem Zeitpunkt, wo er sich nützlich macht und damit "quick" ist. Spätestens ab dem Zeitpunkt ist er nicht mehr aus der "Gebärmutter" zu vertreiben.
      Netter Versuch, aber leider nicht nachvollziehbar.

      Zu a:
      - dass Dr. Larch asexuell wäre, ist dem ersten Kapitel nicht zu entnehmen
      - das Rauchen hasste Schwester Angela, nicht Edna (S. 19 mitte)


      Zu b: Bis zum vierten gescheiterten Versuch ist es Larchs ernsthaftes Ziel, Homer an eine Familie zu bringen.

      Zu c: Larch und Angela führen eine asexuelle Beziehung im Sinne von zwei Kollegen.
      Wer nennt Angela „Angel“?

      Zu c2 :P : Er macht sich bereits im Alter von 10 Jahren nützlich. Das ist zwischen dem zweiten und dritten Adoptionsversuch. Dann gibt es noch einen vierten Adoptionsversuch. Das würde (nach Deiner Definition bedeuten, dass man zweimal versuchte, ihn abzutreiben, obwohl er schon „quick“ gewesen wäre. (S. 28 mitte)
      Bereits drei Jahre vor dem letzten Adoptionsversuch ist es Homer, der in St. Cloud’s seine Wurzeln sehen will („Ich gehöre nach St. Clouds.“) Diese Aussage wiederholt er noch zweimal.

      Also Wonko, trink mal lieber Tee statt Bier und versuch’s noch mal. :D
      Mary

      Bewusst Sein
      Zuerst die Stelle im ersten Kapitel, die mir am besten gefallen hat: „Auch wenn der ältere Junge seinen Fummel-Stil auf einem Internat gelernt hatte — einen sehr guten —, hatte man ihm dort nicht beigebracht, welche Art von Geschrei sich Homer Wells bei der Familie in Three Mile Falls antrainiert hatte.“
      Eine nette Wendung, die dem Albtraum der Misshandlungen in Three Mile Falls noch ein »brauchbares« Ergebnis abgewinnt. Auch wenn Homer nicht viel davon hat, weil „…man Enkeln mehr Glauben schenkt als Waisen“. Trotzdem: Beim Lesen entfuhr mir eine Art »Oouuuhw«.

      Den Professor hat Irving aus meiner Sicht
      auch schön beschrieben. Die Argumentation mit den nassen Schuhen war köstlich und es erschien mir, als ob ich auch so einen Professor kennen würde.

      Nur die Sprache von Irving kam mir etwas verworren vor. Allerdings stimmte mich eure Argumentation nachdenklich, dass alles haarklein beschrieben wird, mit nur wenig Platz für eigenes Verständnis. Letztlich, am Ende des ersten Kapitels angekommen, sehe ich es so: Irving lässt wenig Spielraum für eigene Interpretationen, daher ist die erschöpfende Sprache für mich schwer verdaulich (gewesen).

      Homer ist ein nützlicher Pechvogel, Larch bemüht sich, das zu verstehen. In mir entsteht der Eindruck, dass die bisherige Geschichte deshalb so erzählt wird, um deutlich zu machen, dass die Schwestern und „St. Larch“ eine Erklärung suchen, warum Homer so ist, wie er ist und warum ihm widerfährt, was ihm widerfährt. Nun ist es natürlich nicht möglich, Glück, Pech und Begabungen zu erklären, so tun die Schwestern und Dr. Larch das, was die meisten Menschen tun: Sich eine Erklärung ausdenken. All das Unglück ist auf die vermaldeite Papierfabrik zurückzuführen (letzlich auch das Ende der Winkles). Die Personen im ersten Kapitel denken überhaupt nicht weiter als: Wenn die Ramses-Papierfabrik soviel Ãœbel verursacht, dann ist Homer Wells ein Produkt davon. Selbst die Erkenntnis „…ein Waisenhaus, das nicht Zwischenstation ist zu einem besseren Leben, sondern ein Waisenhaus, das die erste und letzte Station ist, der einzige Ort, den die Waise je akzeptieren wird“ hat irgendwie noch eine Verbindung zur verhassten Fabrik. Es kommt mir vor, als läge es an der Ramses-Papierfabrik, dass Larch das Waisenhaus zu Homers Zuhause machen konnte.

      Hat übrigens — eigentlich off topic — jemand eine schöne Lösung für „o här main god wan ych ihm härpst mir wunter bedrachte disse wält fon dainer hant geschawen…“?
      Der zweite ist leicht… „Oh Fels der Ewigkeiten; gib Zuflucht mir bei Dir…“

      Achja. 190- bis 193- ist wirklich doof geschrieben und ich sehe keinen Sinn darin. Zugegeben ist es leichter, als ständig Konstruktionen zu benutzen, wie „in den dreißiger Jahren“ oder „Zwischen 1900 und 1910“, aber ich finde es keinen schönen Stil. Ich habe mir einfach vorgestellt, da stünde eine 5 oder eine 0.


      Vor zweitausend Jahren hörten die Menschen auf, Katzen als Götter anzubeten.
      Allerdings hat man damals versäumt, die Katzen darüber zu informieren.

      ThomasRalf schrieb:

      warum Homer so ist, wie er ist

      Wie ist er? Ich finde, das kommt irgendwie gar nicht durch! Es liegt IMMER an der Pflegefamilie, dass er nicht angenommen wurde!

      ThomasRalf schrieb:

      Sich eine Erklärung ausdenken. All das Unglück ist auf die vermaldeite Papierfabrik zurückzuführen

      Inwiefern? Ich weiß noch nicht, was die Fabrik eigentlich für einen Zweck hat, außer Zeilenfüllen und Vater Larch.

      ThomasRalf schrieb:

      Es kommt mir vor, als läge es an der Ramses-Papierfabrik, dass Larch das Waisenhaus zu Homers Zuhause machen konnte.

      Siehe Oben. Wie???
      Liebe Grüße von der ollen Seekuh :zopf
      So, dann will ich es auch noch einmal ernsthaft versuchen.

      Zunächst einmal: Ich fühle mich nicht durch den ausführlichen Schreibstil eingeengt oder bevormundet,
      sondern eher "an die Hand genommen", was daran liegen mag, dass dies nicht mein erster Irving war und daher vielleicht ein kleiner Vertrauensvorschuss da ist.
      (Mit welchem ich angefangen habe, weiß ich schon gar nicht mehr)

      Die Zeitangaben z.B. 192- halte ich lediglich für eine persönliche Fußnote des Romans.
      In anderen Romanen verwendet sie Irving nicht.
      Ich persönlich kann nur vermuten, dass so die Ereignisse vor ein diffuses historisches Hintergrundbild gestellt werden
      und Irving dem Leser so die Assoziation mit geschichtlichen Ereignissen entzieht.

      Die Ramses Papierfabrik, hmmmmm......Nein, ich glaube nicht dass sie als "Firma" eine große Rolle spielt,
      sondern vielmehr die (negativen) Umstände, denen Menschen u.U. ausgesetzt sind und die sie nur schwer ändern können.
      Es ist sozusagen die Vorbereitung der Rechtfertigung auf "Teufels Beitrag".

      Die Nützlichkeit, damit habe ich so meine Probleme. Homer ist das erste mal "nützlich" als er zum schreien gezwungen wurde.
      Dann ist der Professor "der geeignete Vater", (in Larchs Augen) weil er "energisch das Nützlichkeitsprinzip vertrat".
      Homer verlässt die Familie, weil er "sich nicht nützlich gefühlt habe."
      Nützlichkeit hier, Nützlichkeit da, vielleicht fällt Euch ja noch was dazu ein.

      Auch nüchtern lasse ich mich nicht davon abbringen, dass die Familienrollen im Heim sich zusehends verfestigen.
      Homer nennt Angela (ja,ja die, die ihn - Larch- nicht liebte, vermeintlich. Gestern noch habe ich sie ein wenig verwechselt) bei seine Rückkehr (beinahe) "Mutter!".
      Larch ist noch nicht so weit - er glaubt ein Monstrum zu schaffen, wenn in einem Waisenhaus ein Kind geliebt wird.
      (Was irgendwie auch stimmt. In einem Kinderheim ein Kind zu lieben ist eine monströse Sache und der Anfang vom Ende, für den der damit anfängt.
      Da spreche ich aus beruflicher Erfahrung.)


      Mein Lieblingszitat des ersten Kapitels:
      "In anderen Teilen der Welt", schrieb Dr. Larch, "hält man irrsinniges Glücklichsein für einen Geisteszustand.
      Hier in St. Cloud's stellen wir fest, dass irrsinniges Glücklichsein nur den völlig Geistlosen möglich ist."

      Ãœberhaupt mag ich diese: "In anderen Teilen der Welt.........." - Sache.

      Das sollten wir einführen: "In anderen Teilen der Welt", schrieb Wonko, "hält man Rauchen für etwas völlig Normales.
      Hier im MT stellen wir fest................." - nein, ne? Das wär ja doch ein bisschen zu - :devil ,oder?


      Der Rest wie immer: :meinung

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Wonko“ ()

      Wonko schrieb:

      Homer verlässt die Familie, weil er "sich nicht nützlich gefühlt habe."

      Das sehe ich anders. Er war doch nützlich, denn er erfüllte die Vorgabe oder die Spielregeln - zu schreien. Bei wem schrie er lauter! Und er war so klein, dass er das Gefühl nützlich oder unnützlich wohl noch nicht kannte. Er wurde durch die Umwelt befreit, nicht, weil er "unnützlich" war.
      Liebe Grüße von der ollen Seekuh :zopf
      Wie ist Homer? Still, kann aber schreien. Ist »nützlich«, er »gehört« zum Waisenhaus.

      Gleich zu Anfang des Kapitels wird Dr. Wilbur Larchs Sicht offengelegt: Er ist der Feind der Ramses-Papierfabrik, die die Hurenherberge zurückließ, die St. Cloud’s »zurückgelassen« hat. Die St. Cloud’s den Frauen und Waisen überlassen hat.
      Wilbur Larch folgt dem Brief einer Prostituierten aus St. Cloud’s und gründet das Waisenhaus. Der Satz, auf den ich mich beziehe, ist: „Welch besseren Mann hätte man sich denken können für die Aufgabe, zu richten, was die Ramses-Papierfabrik angerichtet hatte, …“. Das finde ich schon ziemlich »deutlich«.

      Ich habe zwar das Kapitel jetzt noch mal überflogen, irgendwo war noch eine Passage, von der ich meine, Larchs Antipathie herausgelesen zu haben, aber ich hab sie nicht gefunden.
      Vor zweitausend Jahren hörten die Menschen auf, Katzen als Götter anzubeten.
      Allerdings hat man damals versäumt, die Katzen darüber zu informieren.

      ThomasRalf schrieb:

      Er ist der Feind der Ramses-Papierfabrik, die die Hurenherberge zurückließ


      Schon, leider habe ich da die Perspektive desjenigen, der das Buch schon kennt.
      Und, ebenfalls leider, kann ich mich dem nicht entziehen. Ähnlich wie diejenigen (hallo Karin) die den Film kennen.
      Blöd auch, denn in die Rolle der Besserwissies möchte ich auch nicht abdriften.
      Was tun? :nachdenk

      Meldet euch einfach, wenn ihr das Gefühl habt es nervt.
      Ich kann nur sagen, dass ich hierbei zu einer ganz neuen Leseerfahrung komme,
      denn so etwas macht man ja auch nicht alle Tage und es ist hoch interessant ein Buch "zu teilen". :]