Reisebericht

      Ich habe lange überlegt, ob ich meine Geschichte so öffentlich machen will
      und ich habe entschieden
      Ja ich will


      Es ist eine etwas ausführliche Berichterstattung, von meiner Klosterreise.
      Natürlich muss man da etwas in der Zeit zurückgehen,
      denn das Ziel aleine genügt bei meiner Geschichte nicht, hier ist auch der Ausgangspunkt nicht unerheblich.
      Meine Geschichte beginnt vor ca 3,5 Jahren,
      seit 3 Jahren bin ich jetzt rauchfrei, das nur am Rande


      Und hier beginnt meine Reise...

      Vielleicht war mein Leben nicht immer einfach.
      Da ich aber Einfach oft mit Langeweile gleichsetzte, erschien es mir im Großen und Ganzen
      trotz allem okay.

      Im Grunde war es das auch, alles im grünen Bereich, solange es nicht zum Stillstand kam.
      Denn Stillstand mochte ich nicht, genau so wenig wie ich Routine nicht ausstehen konnte.
      Aber alles Extreme zog mich an.
      Ich liebte Achterbahnen, je schneller, desto besser.


      Musik hörte ich sehr extensive.
      Ich brauchte ganz einfach starke Impulse, ich brauchte Action,
      ich musste das Leben deutlich spüren können.
      Die einzige Routine die ich zuließ, war das Schema nach welchem ich lebte.

      Und das war entweder ALLES oder eben NICHTS.

      Begeistern konnte ich mich täglich und am liebsten täglich mit etwas neuem.
      Und wenn ich am Morgen eine Bratwurst aß, hieß das noch lange nicht,
      das ich Abends nicht voller Ãœberzeugung einen Verein gründen wollte,
      für Vegetarier der ersten Stunde.


      Auf andere Menschen übte ich oft eine starke Anziehung aus.
      Ich genoss das Gefühl der Bewunderung.
      Heute bekomme ich eine Ahnung, vielleicht wurde nicht ich bewundert, sondern die Show,
      die Show die ich abzog.

      Den ständigen Aufenthalt auf dem Seil, ohne irgendeine Absicherung.
      Denn Mut den ich aufbrachte.
      Und das alles in einer Atemberaubenden Geschwindigkeit.

      Doch von dem Seil und dem darunter liegenden Abgrund, davon hatte ich damals keine Ahnung.

      Und bevor ich überhaupt irgendeinen Schimmer davon bekam,
      das vielleicht mit mir etwas nicht stimmen könnte, sollte ich erst 31 Jahre alt werden.

      Der Wendepunkt, wenn man denn einen benennen müsste, begann mit der Vorschuluntersuchung meiner jüngsten Tochter.
      Zuerst lief alles ganz gut, zu mindestens sah ich das so.
      Doch als ich dann sämtliche Defizite meiner Kleinen aufgezeigt bekam, drohte die Situation zu eskalieren.
      Ich fragte mich,
      Warum muss ein 5 jähriges Kind rechnen können?
      Was war daran erstrebenswert lauter Einsteins formen zu wollen?


      Entschuldigung, wir zählen leider nicht zu dieser Sparte.
      Wir sind mehr von der Pippi Langstrumpf Fraktion.


      Und uns fehlt irgendwie die Einsicht, das die Beantwortung der Frage, Was ist ein Molekül? Ãœber lebenswichtig scheint.
      Aber auf die Frage, wie ein Regenbogen schmeckt, darauf reagiert die Mehrheit der Menschen mit Unverständnis.


      Aber ich gestehe ja jedem das seine zu.
      Was mich aber richtig wütend macht, ist wenn jemand mein Kind beurteilt.
      Immerhin lebe ich seit ihrer Geburt mit ihr zusammen und das waren bis dahin schon gut 5 Jahre.

      Und wenn Sie irgendwie zurückgeblieben wäre, oder Sie sonst anders wäre, dann meine ich, wäre mir das bestimmt aufgefallen,
      ist es aber nicht.

      Und genau aus diesem Grunde, war die ganze hoch pädagogische Untersuchung,
      nichts weiter als Riesen Großer Bull Shit.

      Und genau das sagte ich dem Untersuchungskomitee auch.

      Das Problem an der Sache war nur, ich musste da wohl oder übel noch mal hin.

      Und in der Zwischenzeit sollte ich Linda bei einer Ergotherapie vorstellen.
      Und weil ich mir nicht mangelnde Kooperation unterstellen lassen wollte, vereinbarte ich einen Termin für ein Erstgespräch.

      Ich gab dem ganzen im Grunde genommen keine Chance.

      Linda war ein eigenständiger Mensch, vielleicht war sie wirklich manchmal etwas langsam in Ihrer Denkweise, aber wer bestimmte eigentlich, in welcher Geschwindigkeit sich ein Menschenkind zu entwickeln hatte?
      Und wenn sie noch nicht bereit war für die Schule, warum war das ein Makel?

      Mein erstes Gespräch verlief ziemlich klar.
      Solange ich der Ansicht war, das es meiner Kleinen zu mindestens nicht schadet, war ich bereit es zu versuchen.
      Ich teilte aber auch gleich mit, das Versuchen, nicht heißt, es auch bis zum Ende durch zuziehen.

      Siegessicher verließ ich an diesem Tag die Praxis.
      Mein Standpunkt schien angekommen und auch verstanden wurden zu sein.

      Linda besuchte daraufhin einmal wöchentlich ihre Therapiestunde.
      Ich wurde in regelmäßigen Abständen in Elterngesprächen über den aktuellen Stand informiert.
      Und ganz langsam begann die Therapie anzuschlagen.

      Eventuell lag das auch daran, das ich keine wesentlichen Veränderungen bei meiner Tochter wahrnehmen konnte.
      Und es deutete auch nichts darauf hin, das man meine Kleine umkrempeln wollte.

      Und so konnte ich mich etwas entspannen.

      Und lange Zeit merkte ich nicht, wie sich die Therapie ganz langsam zur Eigentherapie entwickelte.

      Irgendwann sollte Linda auch zu Hause versuchen gewisse Punkte aus der Ergotherapie in Ihren Alltag zu integrieren.
      Das ganze mit meiner Hilfe.

      Im Grunde war es nicht so viel, geforderte Aufgaben lagen in den Bereichen Zeitmanagement, Struktur, Ordnung, Etappenzielsetzung und natürlich Kontrolle.





      Es würde für Linda einfach eine Erleichterung sein, besser in der Welt zurechtzukommen.
      Ohne auf meinen Einspruch zu warten, erklärte man mir, das dies nicht heißt, Linda käme nicht auch so zurecht, aber man könne sich das wie mit einer Ampelregelung vorstellen, an einer großen viel befahrenen Straße.


      Das Ziel bestimme dann immer noch ich, aber durch die Struktur und die vorgegebenen Regelungen, habe ich die Möglichkeit mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Und ich käme dann viel entspannter und am Ende auch schneller und sicherer zum Ziel.



      Das klang doch zuerst einmal toll und ich war begeistert.
      Und ich war nicht nur begeistert, sondern auch bereit, all dies umzusetzen.

      Aber die Sache hatte einen kleinen Haken.




      Linda kannte die Verkehrsregelungen nicht.
      Und wenn man sich jetzt bitte einmal vorstellen will, wie das ganze aussieht, wenn Linda nach Links abbiegen möchte, jedoch auf der Rechtsabbiegerspur steht,
      und auch nie gelernt hat,
      das die farbigen Lichtsignale eine nicht unerhebliche Rolle spielen,
      um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.
      Dann müsste ein jeder die Problematik einsehen.


      Aber die Sache hatte neben den kleinen auch noch einen großen Haken.

      Ich kannte die Verkehrsregelungen leider auch nicht.

      Und das war der Beginn von Phase 2.
      "Manchmal ist es das vernünftigste, einfach herrlich verrückt zu sein." HP
      NMR seit 25.10.2005 [urlwww.essskulptur.de[/url]
      Dann will ich mal weiterschreiben
      Ich freue mich natürlich, wenn ihr Interesse habt, an meiner Geschichte, wäre ja sonst auch blöd
      wenn ich hier schreibe und keiner liest
      aber ich habe die Geschichte natürlich auch für mich geschrieben, vielleicht als Therapie

      Und Teil 2

      Die Psychotherapie

      Selbstsicher trete ich auch hier auf.
      Das Angriff in der Regel die beste Verteidigung ist, habe schon in meiner Kindheit gelernt.
      Ich erzählte auch bereitwillig von meinen Problemen.
      Im Grunde waren es gar keine, sondern machten das Leben in gewisser Weise dadurch bunt.
      So erzählte ich, wie ich eines Abends stundenlang mein Auto suchte, weil ich einfach vergessen hatte, wo ich es geparkt hatte.

      Oder als ich einen Diebstahl meldete und am Ende von der Einsicht motiviert wurde, das das Gestohlene ja nicht direkt weg ist, sondern im Grunde nur den Besitzer gewechselt hat.

      Ich kam so richtig in Fahrt, Anekdoten aus der Vergangenheit wieder hervorzuholen.
      Aber ich wurde ziemlich barsch unterbrochen.
      Und das man mir ins Wort fiel, daran war ich nicht gewohnt.

      Ich war sauer, Sauer auf den Therapeuten, weil er wohl meinte, beurteilen zu können, was erzählt werden sollte und was eben nicht.
      Und ich war Sauer auf mich.

      Dinge die ich als wichtig einstufte, wollte er nicht hören, dafür führten wir teilweise Gespräche, die völlig überflüssig waren.
      Sie langweilten mich und lange Weile konnte ich ja nicht ausstehen.

      Das meine extreme Lebensweise, sich auch in meinen Stimmungsschwankungen
      widerspiegelte, machte alles nicht gerade einfacher.

      Ich opferte meine Zeit und das alles weil andere Probleme sahen, wo es gar keine gab.
      Ich meine ich hatte Arbeit, ein schönes zu Hause, 2 Kinder und einen Mann.

      Und die nicht grundlose Befürchtung, das selbst wenn ich 130 Jahre alt werden sollte, wir bei diesem Tempo, das Ende der Therapie nicht erreichen werden.

      Mir ging das alles viel zu langsam und meine Geduld näherte sich immer schneller Richtung Nullpunkt.


      Bei meiner nächsten Therapiesitzung wurde ich dann doch ziemlich überrumpelt.
      Ich sollte auf einmal Medikamente bekommen.
      Und diese nicht irgendwann in nächster Zeit, sondern: SOFORT.

      Dazu war auch erst einmal eine Krankschreibung erforderlich, bis ich richtig eingestellt bin.



      Das war mir erst mal alles zu hoch, darauf war ich weder vorbereitet noch hatte ich mich richtig damit auseinander gesetzt.

      Verdammt, ich hatte noch nicht mal irgendwelche Argumente.
      So nahm ich mein Rezept entgegen, in 3 Tagen sollte ich wieder kommen.
      Meinem Chef erzählte ich vorerst, ich bekäme ein neues Mittel wegen meiner Migräne.
      Am Anfang kann es zu Nebenwirkungen kommen, die eine Krankschreibung erforderlich machen.




      Zu Hause informierte ich mich über das Mittel und war entsetzt.
      Wieso bekam ich ein „Aufputschmittel“ wo ich doch sowieso schon zu „Hoch“ lief?
      Ich nahm trotzdem die Tabletten, der Arzt sollte ja wissen, was er mir verschreibt.
      Aber ich merkte nichts.
      Die Wirkung war gleich Null.

      Genau am ersten Arbeitstag nach der Krankschreibung, schienen dann alle Nebenwirkungen erbarmungslos alle zusammen zuzuschlagen.
      Und dann war ich nur noch Müde.

      Man könnte es vergleichen, mit einer erhöhten Dosis Schlaftabletten. Ich war Müde, Kraftlos, Schlapp. Zwar hatte ich auch keine Gefühlsausbrüche mehr, aber wie ein Zombie wollte ich auch nicht vor mich hin vegetieren.
      So jonglierte ich noch eine Weile hin und her mit der Dosis und irgendwann hatte ich wohl die für mich richtige gefunden.


      Aber die Tabletten „heilten“ mich natürlich nicht, sie gaben mir die Möglichkeit, einmal Inne zu Halten. Es gab jetzt Momente, wo ich in Ruhe nachdenken konnte.
      Plötzlich war es mir möglich, beim Einkaufen, nur das einzupacken, was ich auch benötigte.

      Das mag schwierig zu verstehen sein, aber ich wurde sonst sehr oft, von all den vielen Angeboten, von all den Außenreizen, schlichtweg überfordert.
      Und wen ich Bananen kaufen wollte, dann hatte ich vielleicht Glück und sie sind mir irgendwie über den Weg gelaufen.

      Aber die Regel war das nicht.
      So ein typischer Tag des Einkaufens sah meist so aus:

      Den Einkaufszettel, den ich fast immer schrieb, hat es aus irgendwelchen Gründen nie geschafft, bei mir zu bleiben.

      Entweder hatte ich ihn gleich zu Hause liegen lassen, oder dann im Auto und selbst wenn ich ihn noch im Laden in der Hand hatte, so waren die ganzen Dinge die ich brauchte, nicht in der Reihenfolge auf dem Zettel, wie sie im Laden zu finden waren.

      Das lag nicht immer nur an meinem Einkaufszettel System.
      Nein vermutlich wurde extra immer wegen mir, ständig um geräumt.
      Das verwirrte mich täglich neu.

      Also versuchte zu improvisieren.
      Wenn ich nämlich an Regal 4 vorbei kam und ich würde die Milch sehen, dann lag doch die Wahrscheinlichkeit hoch, das mir auch einfiel, das es heute Abend Kartoffelbrei gebe sollte und ich deswegen die Milch brauche.

      Um die Sache abzukürzen, die prozentuale Wahrscheinlichkeit lag bei 50%.
      Wocheneinkäufe waren für mich unvorstellbar.
      Jetzt konnte ich aber etwas besser organisiert einkaufen.

      Wocheneinkäufe blieben aber unvorstellbar.

      Ich hatte auch immer wieder Probleme mir Preise zu merken und wenn ich mir endlich die Zahl eingeprägt hatte, wusste ich meist nicht mehr, für was der Preis galt.





      Und so wurde mir das erste Mal richtig bewusst, ich hatte gewisse Probleme, ohne derer ich es vermutlich erheblich leichter gehabt hätte.



      Aber Hätte Wäre oder Soll halfen mir jetzt auch nicht weiter, jetzt war die Devise nach vorn schauen.
      Und da war noch meine Tochter, die ja ähnliche Probleme hegte.




      Der Entschluss

      Es vergingen einige Monate, Monate in denen ich viel lernte, über mich, meine Aufmerksamkeitsstörungen, meine Gefühle.

      Aber es waren auch Monate voller Fragen, voller Zweifel.
      Mal überwog das eine, mal das andere.

      So machte ich jetzt noch neben meiner Psychotherapie, gemeinsam mit meiner Tochter eine Ergotherapie, welche die ersten Wochen, aus unzähligen Tests bestand.


      So erfuhr ich, das ich auch eine Halswirbelblockade hatte,
      eine Winkelfehlsichtigkeit und andere Wahrnehmungsstörungen.

      Zudem war meine Merkfähigkeit stark eingeschränkt.
      Dies und mein mangelndes Zeitgefühl trugen auch dazu bei, das ich nur unter Zeitdruck lernen konnte oder Terminarbeiten auf die letzten 5 Minuten fertig stellte.
      Besondere Probleme hatte ich beim Merken von Zahlenreihen.

      Solche Defizite hätten eigentlich irgendwann einmal auffallen müssen. Aber in meiner Kindheit war das Wissen vielleicht noch nicht so weit.

      Oder aber es fiel nicht weiter auf, ich hatte ja wie gesagt bei Zeiten gelernt zu kaschieren.
      Und wenn man selbst viel über sich lacht, sich nicht so wichtig nimmt, als Klassenkasper bekannt ist, dann wird auch hinter vielen Auffälligkeiten, Absichten gesehen.



      Aber ich fand es irgendwie leichter, als Clown dazustehen, als eingestehen zu müssen, das ich vergessen hatte meine Hausschuhe gegen die Sandalen einzutauschen
      .
      Oder das ich dachte, ich hätte den Schulranzen mit, stattdessen griff ich ins Leere.
      Als Clown konnte ich leben, als Depp nicht.


      Im Laufe der Jahre, hatte sich vieles angesammelt, nun wollte ich mein Leben ordnen.
      Vielleicht manche Wege ganz neu bestreiten.

      Aber ich hatte keine Ahnung, wo ich eigentlich anfangen sollte.
      Ich sah keinen Anfang und ein Ende war auch nicht in Sicht, ehrlich gesagt ich sah noch nicht mal einen Streifen am Horizont.

      Wie sollte es beruflich weitergehen?
      Was waren meine Ziele?

      Ich konnte diese und andere Fragen nicht beantworten, weil ich es nicht wusste.
      Oder weil die Antworten ständig wechselten.








      Ich brauchte ein wenig Zeit, ein wenig Ruhe und möglichst niemanden der dabei stört.
      Mit meinem Mann besprach ich mein Anliegen, er erklärte sich bereit, mir zu helfen.
      Ich beantragte sozusagen eine Auszeit von einer Woche.


      Und nach einigen Recherchen stand mein Entschluss fest.




      Ich würde eine Woche in einem alten ehemaligen Benediktinerkloster verbringen,
      ich las die Prospekte und hatte gefunden, wonach ich suchte.

      8 Wochen später Begann meine Reise.
      Mit einem Sack voller Fragen startete ich, am 9.02.2008.

      Ich kann mir nicht gut Zahlen merken, aber dieses Datum werde ich nie vergessen.
      "Manchmal ist es das vernünftigste, einfach herrlich verrückt zu sein." HP
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      Freitag

      Kurz vor Mittag beginnt meine Reise, mein Navi ist programmiert und zeigt mir meine voraussichtliche Ankunftszeit an.
      Ich komme ziemlich gut durch und bin schon viel zu zeitig am Ziel.Da meine Ankunft erst ab 15 Uhr erwartet wird, überbrücke ich die Zeit bei Mac Donalds.
      Ich esse ja sonst nie so etwas, eigentlich kenne ich das ja alles nur vom Hören Sagen.
      Als ich dran bin bestelle ich mir einen Big Mac und einen großen Vanillemilchchake.
      Am Tisch kauend denke ich mir so: Was müssen das für Leute sein, die hier essen gehen.
      Ich setze natürlich auch einen Blick auf, der keinen anderen Schluß zulässt, als das ich sozusagen ausversehen hier gelandet bin.
      Aber vorsichtshalber hole ich mir noch einen Burger, wer weiß was mich die Woche an Schmalkost erwartet?


      15:15 Uhr stehe ich vor den Mauern des Klosters, dicke Mauern,
      ich stehe davor und überlege kurz, was ich hier eigentlich mache.
      Mein Auto steht in Freiheit, ich könnte wieder einsteigen und...

      Aber bevor ich an einen Rückzieher denken kann, liegt mein Finger schon auf der Klingel.
      Ich stehe da mit einem Koffer in der Hand und dem Herz in der Hose, als mich eine junge Frau, die ganz normal aussieht hereinlässt.
      Mein Auto solle ich gleich in den Klosterhof fahren.
      Somit werden wohl mögliche Fluchtversuche schwieriger, nicht das ich an Flucht denke, aber nur für den Fall.

      Dann wird mir mein Zimmer gezeigt, ein 3 Bett Zimmer, warum habe ich eigentlich kein Einzelzimmer gebucht, war ich noch ganz bei Trost.
      Aber wenigstens ist das Zimmer geräumig und irgendwie frisch.


      Der Boden ist mit blauem weichen Teppich ausgelegt, die Wände sind weiß gehalten. Ein Wandkleiderschrank der auf dem ersten Blick unglaublich klein erscheint, erweist sich dann doch als sehr ausreichend.

      Ein Badezimmer haben wir auch, also im großen und ganzen, etwas besser als eine Herberge.
      Dusche Toilette Waschbecken und eine Fußbodenheizung, wie weltlich.


      Das einzige was sich zum Problem entwickeln könnte, ist die vermutliche Hellhörigkeit.
      Denn abgeteilt ist der Sanitärbereich, nur durch eine dünne Trockenbauwand.
      Aber noch bin ich allein.
      17:15 beginnt meine Woche, bis dahin soll ich erst mal ankommen.
      Ich soll ankommen, aber ich war doch schon da, oder?

      Eine Woche später sollte ich diesen Satz mehr als verstehen.

      Und da ich nicht weiß, was mit Ankommen gemeint ist und ich auch keine große Lust habe, darüber nachzudenken, erkunde ich erst mal das Gelände.

      Das Haupthaus, in welchen sich auch die Zimmer befinden ist wunderschön restauriert und strahlt eine unglaubliche Ruhe aus.
      Und ich nehme mir vor, irgendwann mal das ganze länger zu betrachten.
      Ich durchlaufe das Gelände und bekomme eigentlich doch nichts mit, ich will hier auch nicht irgendwelche Architektur bewundern, sondern ich habe ja Fragen mit und nicht ewig Zeit, diese zu beantworten.
      Als ich an der Kirchruine vorbeikomme, überfällt mich das erste mal hier ein Gefühl der Ãœberwältigung.
      Hier werde ich langsamer und mit jedem Schritt wird der Klos im Hals dicker.
      Irgendwas ist hier komisch, ich meine ich bin in einem Kloster, was soll mir passieren, das einzige was hier ist, sind uralte Bäume und eine von Efeu umringte Kirchruine.

      Warum hatte ich das Gefühl mein Brustkorb wird von einem stahlharten Eisenring immer fester umschlossen und ich spüre eine Kälte, die mir Angst macht, es ist wie eine Grabeskälte.
      Das wir Februar schreiben und strahlenden Sonnenschein haben, macht das alles nicht einfacher.
      Nichts wie weg von hier.

      Dann viertel nach 5 werden wir mit allen vertraut gemacht,
      Im Foyer befindet sich ein riesiges Schuhregal.
      Und da im gesamten Haus Hausschuh Pflicht besteht, kann man sich sicher vorstellen, das das Schuhregal gut besucht ist.
      Vom Foyer aus, kann man nach hinten, auf die Terrasse gelangen, rechts liegt die Küche und links das Büro.
      Das Büro ist täglich eine Stunde besetzt.
      Und bietet dann die Möglichkeiten, Postkarten Briefmarken oder auch Behandlungen in der dazugehörigen Naturheilpraxis zu buchen.
      Dann wird uns der Speiseraum gezeigt.
      Dieser grenzt zwar an die Küche an, aber in oder auch durch die Küche dürfen nur die Köche.
      Um also in den Speiseraum zu gelangen, heißt es zuerst einmal Schuhe wechseln.
      Ein Vorteil besteht nun darin, wenn man sich gemerkt hat, in welchen der vielen Fächer, man seine Schuhe geparkt hat.
      Als jeder seine Schuhe gefunden hat, laufen wir circa 20 Meter bis zum angrenzenden Speiseraum.
      Und auch der Speiseraum hat ein Vorzimmer, in welchem ein großes Schuhregal die Wand ziert, denn auch hier heißt es Schuhe wechseln.
      Und wäre man bei der vorherigen Erklärung geistig anwesend gewesen, dann hätte man jetzt auch die Hausschuh dabei.
      Mir gebührt die Ehre zurück zulaufen, um sie zu holen.
      Das Essen, welches uns hier erwartet, wird vegetarische Vollwertküche sein.
      Kurz bin ich froh, vorher noch einen großen Bic Mac gegessen zu haben, so richtig fettig und papisch, aber es erschien mir schon richtig, bei der Aussicht auf Schmalkost.
      Dann werden wir noch auf das Handyverbot im gesamten Gelände hingewiesen.
      Auch einen Fernseher, einen Computer oder die Tageszeitung wird man hier vergeblich suchen.
      Aber dafür gibt es hier Konstellationen, die man nicht mehr oft findet.
      Wie Ruhe und Zeit.
      Arbeit und Freude.
      Schmerz und Glück.
      Aber von diesem Wissen bin ich noch meilenweit entfernt.


      19 Uhr gibt es Abendbrot, danach breche ich Migräne technisch zusammen und bin vor 20 Uhr im Bett verschwunden.
      Somit habe ich nicht einmal die Möglichkeit mich meinen Bett Nachbarn vorzustellen, diese sind nämlich mittlerweile auch eingetroffen.
      Heute weiß ich, hätten die beide nicht verpasst, unabhängig von einander, am richtigen Bahnhof aus zu steigen, dann hätte ich das gemacht, was ich immer gemacht habe.
      Ich hätte ein Bild von mir abgegeben, welches meine Mauer wohl noch ein Stückchen dicker gemacht hätte.
      Aber diese Möglichkeit bot sich mir nicht, Zufall?
      Noch ahne ich nicht, diese Woche wird einiges verändern, allerdings so ganz anders, als ich dachte...
      "Manchmal ist es das vernünftigste, einfach herrlich verrückt zu sein." HP
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      Samstag




      6:30 Uhr läuft jemand über den Flur und weckt uns sanft mit Hilfe einer Klang Schale.
      Natürlich schrillt mein Wecker 5 Minuten später in seiner ganzen unglaublich boshaften Art los, aber ich dachte nicht, das ich von dem Geläut auf dem Flur wach werden würde.
      Nun gut, in 20 Minuten sind 3 Frauen fertig mit der Morgentoilette, unglaublich und das bei einem Bad.

      Obwohl ich miserabel geschlafen habe, bin ich ziemlich fit.

      7 Uhr treffen wir uns zum Yoga, ich mache das zum ersten Mal und habe keine Ahnung und nach der Stunde, die auch mit Hilfe einer Klang schale aus geläutet wird, weiß ich ich bin dabei mich zu verlieben.

      In Yoga.
      Es ist so neu und doch vertraut, aber hier ist alles ein bisschen anders.
      8:30 Uhr gibt es Frühstück, es gibt so eine Art warme Grütze (weiß nicht mehr was das war) und Müsli, schade das ich das nicht mag.

      Ich halte mich an meinen Joghurt mit frischen Früchten, das kenne ich und lieb ich, dazu gibt es ein Vollkornbrötchen mit Käse.

      9:30 treffen sich die Work & study' s ( das ist mein Programm,
      Es heißt ganz einfach Arbeiten und studieren, mit studieren ist das Studium an uns selbst gemeint)
      Zum arbeiten habe ich die Aufgabe mit der 26 jährigen schwedischen Josy den Hausgang zu machen.


      Dieser umfasst das säubern der Toiletten und das saugen der Flure.
      Während ich meine Arbeit so verrichte denke ich, ok zu Hause hätte ich bloß ein Klo und das putzt eigentlich mein Mann.

      Zum Selbststudium sollen wir heute auf unsere Füße achten.

      Danach fülle ich Wasserflaschen und Wärmflaschen, (etwa von jeder Sorte 35 Stück, diese werden von einer Gruppe gebraucht, die hier an einer *Azidose-Kur teilnehmen.)

      zwischendurch versuche ich natürlich die Füße nicht zu vergessen, wenn ich gut dran denke, darf ich vielleicht morgen eine schöne Arbeit machen.

      Zum Mittagessen 13 Uhr gibt es wieder allerlei mir Unbekanntes, wie Pastinaken und die Süßkartoffeln halte ich für eine Möhrensorte.

      Aber ich probiere alles tapfer.
      Das einzige was mir ein bisschen zu schaffen macht, sind die wirklich schlimmen Blähungen.
      Auch die Tatsache, das ich nicht alleine damit kämpfe, tröstet nicht, über die hellhörigen Sanitär Einrichtungen hinweg.


      Bis 15 Uhr habe ich frei.

      Eine halbe Stunde falle ich in einen kurzen aber erholsamen Schlaf.

      Von 15 Uhr bis 16 Uhr radiere ich Flyer, also ich entferne nicht gewollte Druckerrückstände mit Hilfe eines Radiergummis.
      Hier denke ich nicht zweimal darüber nach, warum ich das mache, ich tue es einfach.

      16 Uhr treffen wir uns in einer kleinen Gruppe zum Gesprächskreis, wir sind circa 6 Leute.
      Hier merke ich das ich mich nicht öffnen kann, ich bin blockiert, aber es ist für den Moment ok.
      Und auf die Frage, Warum wir hier sind, weiß ich auch keine rechte Antwort.
      Ich glaube ich suche neue Impulse, neue Aufgaben und mit dieser Vorstellung bin ich auch hier her gefahren.

      Aber ich entwickle eine Ahnung, mein Aufenthalt hier fühlt sich richtig an, der vermeintliche Grund aber scheint falsch.
      Mir ist das jetzt unangenehm.
      Am liebsten möchte ich allen sagen, wie gut es mir geht, wirklich gut.
      Ich wollte nur mal sehen, wie es so im Kloster ist.

      Da ich aber diese Behauptung selbst kein Stück glauben kann, halt ich lieber die Klappe.

      17 Uhr geht es für mich in der Küche weiter, hier poliere ich Besteck, decke die Tische im Speiseraum, meine Gedanken verwirren mich und ich habe Angst, jemand könnte das sehen.
      Ich bin auch froh, das erste Gespräch so souverän hinter mich gebracht zu haben,
      vielleicht ist souverän auch nicht ganz das richtige Wort.
      Ich die sonst ohne Punkt und Komma reden kann, ohne eigentlich etwas zu sagen dabei, bin mundtot.
      Meine Gedanken widersprechen sich ja schon in einem Satz 3 mal, so kann Schweigen nur richtig sein.

      Nach dem Tischdienst fülle ich wieder die Getränke und Wärmeflaschen.

      19 Uhr gehen wir zum Abendbrotessen, da wir dazu den Weg außenlang benutzen, ist es ratsam hier einen Zahn zuzulegen, was die Geschwindigkeit betrifft.
      Immerhin bin ich, so wie die meisten anderen, nicht so geübt im Schuhe wechseln.
      Aber ich glaube das sind die einzigen Momente die ich hier als Eile empfinde.


      Vor dem Essen, bilden wir einen Kreis, bei diesem nehmen wir uns alle an den Händen, nicht um zu beten, sondern um in dem Speiseraum anzukommen.
      Und um der Mahlzeit sozusagen soviel Achtsamkeit und Präsent entgegenzubringen, wie das Küchenteam bei der Zubereitung der Speisen.

      Nach dem Abendessen machen die Work & Studys zusammen mit circa 5 anderen Leuten die Küche wieder flott.
      Jeder der hier ist, zur Erholung oder um an einem Seminar teilzunehmen, verpflichtet sich zum Seva Dienst. Dieser umfasst eine halbstündige Mithilfe in Haus oder Garten.

      Der Sevadienst ist meistens vor oder nach den Mahlzeiten. Und meistens in der Küche.
      Um das ganze problemlos und verständlich zu halten, sind hierfür alle in Gruppen unterleilt.
      Zu welcher Gruppe man gehört, steht im Foyer und wurde auch bei der Ankunft bekannt gegeben.
      Und so heißt es dann zum Beispiele nach dem Frühstück:
      Die Hasen und Igel treffen sich in 6 Minuten vor der Küche.

      20:30 Uhr stehe ich vor dem Kloster und telefoniere kurz mit meinem Mann, allerdings bin ich ziemlich kurz angebunden, kann ich hier Erlebtes noch nicht einordnen und ich merke auch, hier muss ich ganz alleine durch.

      Bevor ich mir Gedanken mache, ob ich zu Hause nicht besser aufgehoben wäre, sich die Lieben doch freuen würden, wenn ich Morgen schon wieder da wäre, bevor ich all diese Gedanken ungebremst zulasse, beende ich das Gespräch.

      Danach dusche ich und gehe 21:30 Uhr zur Abendmeditation.
      Aber hier verwechsle ich irgendwas, ich warte ständig darauf, wann es endlich losgeht, als mir so langsam schwant das nichts losgehen wird, ist die Stunde vorbei.

      Danach gibt es noch Tee.

      Als wir gegen 23:30 Uhr ins Bett gehen, ahne ich noch nicht, das ich morgen absolut an meine Grenzen stoßen werde.

      Als ich ins Bett gehe, ahne ich vieles noch nicht.
      Und dann falle ich in einen Traumlosen Schlaf.




      * Azidosekur -- Regulierung und Therapie des Säure Basen Haushaltes im ganzheitlichen Ansatz.
      "Manchmal ist es das vernünftigste, einfach herrlich verrückt zu sein." HP
      NMR seit 25.10.2005 [urlwww.essskulptur.de[/url]
      Cora, ich bin sehr beeindruckt.
      Man kann förmlich deine Gefühle spüren.
      Danke für deinen Bericht, ich kann es kaum
      erwarten, wie es dir weiter ergangen ist.
      " Die Dummheit von Regierungen sollte niemals unterschätzt werden." Helmut Schmidt
      So dann auf zu Tag 3 im Kloster



      Sonntag




      6:30 Uhr das Aufstehen fällt mir schwer, ich bin müde und mir tut der Kopf weh.
      Aber ich bin ja nicht zum schlafen hergekommen, also schleiche ich mich ins Bad und anschließend zum Yoga.
      Meiner Bettnachbarin tut auch der Kopf weh, nach dem Yoga hat sich ihr Zustand eher verschlechtert, bei mir hat sich meine Rückenmuskulatur mit meinen Kopf solidarisch vereinigt, denn im Moment weiß ich nicht was schlimmer ist.
      Ich habe Muskelkater, an Stellen, wo ich gar nicht dachte, da Muskeln zu haben.
      Na dann; auf zum Frühstück.
      Nach dem Ankommenskreis hole ich mir einen schönen heißen Kaffee und der tut gut.
      Hunger habe ich jetzt auch, also hole ich Obst Joghurt und nehme ganz mutig auch ein bisschen Müsli, dazu ein leckeres warmes Brötchen.
      Das Müsli im Joghurt schmeckt ausgesprochen gut, nur scheine ich mich heute morgen arg in meiner Hungeranalyse verkalkuliert zu haben.
      Da sitze ich nun und starre auf meine Vorräte und frag mich, wie ich das schaffen soll.
      Aber glücklicherweise tauschen alle untereinander Obst aus, so das ich eine halbe Banane einen halben Apfel und eine halbe Birne unter das Volk bekomme.
      Für morgen nehme ich mir vor, weniger zu holen am Buffet.

      Um 9:30 Uhr treffen wir uns zum Work & Study und kurze Zeit später komme ich an meine Grenzen.
      Wir tauschen uns aus, über die Beobachtung unserer Füße.
      Josy, die schon über 3 Wochen hier ist fängt an, während ich da sitze und lausche, steigt ganz langsam aber stetig Angst und Panik in mir hoch.
      Mit jedem neuen Wort, was Josy bildet, verblasst mein schöner Füße Vortrag, bis nur noch die Wahrheit übrig bleibt.
      (Hier wird nicht nach der Schuhgröße gefragt und nach der zehenanzahl, auch nicht nach dem Nagellack )
      Bevor ich mir etwas neues zurechtbasteln kann oder überhaupt richtig realisieren kann was hier passiert, geht das Wort an mich.
      Ich schlucke einen Kloß nach dem anderen hinunter dann höre ich mich sagen:
      „Ich habe ganz oft an meine Füße gedacht, wirklich das habe ich.“

      „Aber“ ich merke wie langsam die Tränen hochsteigen, ich schlucke und kämpfe gegen den drohenden Gefühlsausbruch.

      „Aber ich kann sie nicht fühlen“

      Nach dem ich diesen Satz gesagt hatte und ihn langsam auch in seiner Tragweite begreifen wollte, brach ich zusammen.
      Ich weinte und niemand wertete das, es war einfach ok so wie es war.
      Ich durfte weinen, es war noch nicht hemmungsfrei, es war sogar weit entfernt davon, aber es war ein Anfang.

      Die heutige Aufgabe ist wieder auf die Füße zu achten.

      Zum Arbeiten ist meine heutiger Auftrag, die gleiche wie gestern, bloß mit dem Unterschied , heute fange ich gar nicht erst an, diesen Auftrag in Frage zu stellen oder in irgendeiner Form zu werten.

      Also stehe ich da mit Putzlappen Putzeimer und robbe auf allen vieren über den Boden.
      Als ich bei der dritten Toilette ankomme und mit meiner Arbeit beginne, passiert etwas, es ist so unglaublich das ich es vorerst für mich behalte.

      Als wir die Flure saugen, bin ich allein, denn wir haben die Arbeit Etagenweise aufgeteilt.
      Und dann passiert es wieder.
      Ich glaube es ist nicht vermessen zu sagen, ich habe das erste Mal richtig sauber gemacht, nicht das ich solche Tätigkeiten nicht kennen würde, aber es war immer ganz anders.

      Wenn ich zu Hause üblicherweise sauber mache, denke ich nebenbei über den danach anstehenden Einkauf nach, über Rechnungen die ich noch bezahlen muß oder ich ärgere mich darüber das das Kloopapier farblich so gar nicht zu den Fließen passt.
      Ich bin eigentlich, egal welche Tätigkeiten ich gerade verrichte, entweder in der Vergangenheit oder in der Zukunft, beide Zeitformen besuche ich regelmäßig, bloß im Jetzt und Hier bin ich nie.

      Aber jetzt im Hier, stehe ich auf dem Flur mit dem Staubsauger in der Hand, ich sauge die Flure und mit mir Empfindungen, die so gar nicht in mein bisheriges Weltbild passen wollen.

      Ich führe diese Tätigkeiten mit Stolz und Freude aus .

      Ist das Achtsamkeit?
      Ich weiß nicht was es ist, aber es fühlt sich richtig an.

      Vor dem Mittagessen fülle ich wieder die Getränkeflaschen und Wärmflaschen.

      Ich bin im Hier und Jetzt und ich bin ein Teil von dem Getriebe hier und ich weiß, jedes ist wichtig, um das es gut läuft, dabei ist es völlig gleich, wie bedeutend eine Arbeit scheinen mag.

      Der Koch ist wichtig, um ein Essen zu bereiten, aber die Küchenhilfe, die das Gemüse putzt, trägt genauso dazu bei, wie der Spüler, der die Teller und Bestecke sauberhält.

      Und während ich so darüber nachdenke, spüre ich meine Füße, ich lache und weine, so richtig weiß ich gar nicht was ich zuerst machen soll.

      Genau bis unter die Knie kann ich sie fühlen, sie kommen mir unglaublich schwer vor, aber das spielt keine Rolle, ich habe meine Füße wieder.

      Denn ich hatte schon Angst, meine Füße vielleicht nie mehr spüren zu können und mit jedem Schritt, beginne ich zu verstehen, es ist an der Zeit achtsamer mit mir umzugehen.

      Dann ist es Zeit für das Mittagessen.
      Danach habe ich wie immer bis Nachmittags frei.
      Und weil das Wetter so schön ist, strahlend blauer Himmel , die Sonne lacht, entscheide ich mich für einen kleinen Spaziergang.
      Meine Kopfschmerzen, die mir am Morgen so arg zugesetzt hatten, sind verschwunden.
      Warum habe ich sie nur immer?
      Sind sie einfach eine Blockade?
      Sind sie einfach immer so entsetzlich schlimm, weil ich etwas anderes nicht fühlen kann?

      15 Uhr geht mein Programm weiter, ich mache mich im Bad noch ein wenig frisch, aus dem Spiegel schaut mir ein völlig verquollenes Gesicht entgegen, mit rotgeweinten Augen, ich betrachte es eine Weile und fühle mich diesem so viel näher, als dem was mir sonst entgegenblickt.
      Das Sonst, eine Maske, schön bunt schön flippig und schön falsch.

      Es war eben eine Maske und egal was ich in der Vergangenheit oder in der Zukunft unternehmen wollte, diese Maske aufrecht zu erhalten oder sie zurecht zu stutzen, sie würde mir nie passen.

      Es war ein Wunschbild, welches nicht der Wahrheit entsprach, damit weiterhin blenden zu wollen, würde in der Zukunft schwierig werden, mich selbst weiter zu blenden gar unmöglich.

      Mit verheulten aufgequollenen Gesicht, aber mit einem Sonnenstrahl im Herzen, gehe ich an meine nächste Aufgabe, Fleyer sauber machen.

      Am späten Nachmittag bin ich wieder in der Küche, ich wasche auf, decke die Tische und fülle wie immer die Trink & Wärmflaschen.
      Und mit jedem Tag, den ich länger hier bin, werde ich in meinem Tun langsamer, aber auch achtsamer.
      Ich kann diese Langsamkeit zulassen und erlebe Routineaufgaben plötzlich völlig neu.
      Ich komme auch ins Gespräch mit den anderen, der Koch etwa in meinem Alter fragt mich, was ich mache, wenn ich nicht gerade im Kloster bin.

      Oh mein Gott die Frage hatte ich befürchtet, ich wünsche mir auf einem ganz sehr, der Boden unter mir möge sich auftun und mich verschlucken, ich schließe die Augen und warte.....

      Doch als ich sie wieder aufschlug, ist der Boden wie immer und der Koch guckt freundlich, aber erwartungsvoll .
      Während ich also fieberhaft überlege, wie ich das ganze irgendwie umschreiben kann, sagt meine Josy:

      Sie kommt aus der Gastronomie und arbeitet auch als Koch.

      Ich stehe also da und schäme mich ganz fürchterlich und ich weiß, es wird sich nach meinem Aufenthalt hier einiges ändern.
      Aber selbst, als ich zugestehe ein erbärmlich schlechter Koch zu sein, selbst als ich sage ich habe oft meine Lebensmittel eingekauft, wie sie gerade so in Reichweite lagen, selbst da, verlor ich mein Gesicht nicht. Hier arbeiten so tolle Menschen, sie leben uns etwas vor, ohne auf uns herabzusehen, auch hier gestehe ich mir ein, ich war noch nie so großherzig.

      Dann gibt es Abendbrot, jetzt traue ich mich auch zu fragen, was ich hier eigentlich esse, die die es wissen sind gerne bereit mich aufzuklären, die die es auch nicht wissen, hören aufmerksam zu.

      Es ist ein ganz anderes Miteinander ein richtiges Miteinander, kein Nebeneinander oder wie so oft ein Gegeneinander.

      Nach dem essen gehe ich duschen und ich genieße den warmen Wasserstrahl auf meiner Haut, ich erlebe auch dies wie ein Kind, was zum ersten Mal in seinem Leben die Wärme auf seiner Haut spürt.

      Danch geht es zur Abendmeditation.

      Heute warte ich auch nicht darauf, das irgendetwas passiert, sondern ich lasse es einfach auf mich zukommen, ich liege da, zugedeckt, spüre Teile meines Körpers und vielleicht war ich heute das erste Mal seit vielen Jahren ein Stückchen entspannt.


      Beim Gute Nacht Tee unterhalten sich einige, andere sind noch tief versunken und jeder hat heute hier und Jetzt seinen Platz gefunden.

      Bis in die Nacht tanzt mein Stift Salsa auf dem Papier, zu groß ist die Angst, irgendetwas vergessen zu können, nicht festhalten zu können, es wieder zu verlieren.


      Und auch diese Nacht wird Traumlos.
      "Manchmal ist es das vernünftigste, einfach herrlich verrückt zu sein." HP
      NMR seit 25.10.2005 [urlwww.essskulptur.de[/url]
      Jetzt kommt glaub ich der härteste Teil des Aufenthaltes

      Morgen bin ich erst mal für 2 Tage wandern
      einmal Brocken hoch
      und einmal Brocken runter

      Sozusagen ein kleines Pilgerabenteuer
      "Manchmal ist es das vernünftigste, einfach herrlich verrückt zu sein." HP
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      So der Montag war noch gar nicht fertig hier nochmal der ganze Tag

      Montag




      Ist schon Montag? Oder erst?
      Es ist ein bisschen wie zu Hause zu sein, gerade angekommen oder kurz vor der Abreise,
      Alles ist möglich.

      Josy zieht ab heute wieder zu Dani und mir ins Zimmer.
      Ich verstehe das Wort „wieder“ nicht ganz.
      Josy erzählt uns, das sie nur übers Wochenende in ein anderes Zimmer gezogen ist.
      Von Freitag bis Heute war Ihr Bett sozusagen anderweitig vergeben.
      Warum die Frau, die an einem Seminar teilnahm, nicht woanders untergebracht wurde verstand ich nicht ganz.
      Somit hätte man Josy doch das umhergeziehe ersparen können.
      Aber warum so viele Gedanken machen, über solche „nebensächliche Dinge“.

      Unsere heutige Arbeit, die ich wieder mit Josy gemeinsam erledige, heißt Hasen füttern.
      Ich stelle mir ein Gehege voll Hasen vor, die Anzahl kann ich mir nicht vorstellen, aber es sind gewiss sehr viele.

      Die Hasen, die in einem superschön angelegten Freigehege leben, mit Höhlen Tunnel Felsen, ein Hasenparadies und da ja hier nur Vegetarier leben, ein Paradies zum wohlfühlen und alt werden.
      Die Hasen sind genau 2 Stück an der Zahl.
      Nach der Arbeit, haben wir bis 15 Uhr frei.

      Und so gehe ich nach der Fütterung, die nicht wirklich lange dauert, noch eine Runde im Park spazieren.
      Mir gehen viele Gedanken durch den Kopf, aber nichts von dem bleibt länger oder belastet mich, es ist wie eine Zwischenbillianz der letzten Zeit.
      Als ich in unser 3 er Zimmer komme, sitzt Josy da und macht irgendeine Handarbeit, keine Ahnung, was sie da so richtig gemacht hat, aber es schien die Zeit für ein Gespräch.

      Auch hier änderte sich einiges, war ich doch immer der Meinung Vegetarier sind schon eigen, aber Veganer haben wohl alle eine an der Klatsche, außerdem ist es sicher nicht sehr gesund.
      Für eine ausgewogene Ernährungsweise halte ich es immer noch nicht, allemal aber gesünder, als das was ich bisher gegessen habe.
      Aber darum ging unser Gespräch nicht, sie hat mir von Gott erzählt, und das alles hier auf Erden einen Sinn hat, auch wenn wir das nicht sehen können, weil es schwierig ist, von einem Puzzelteil auf ein ganzes zu schließen.
      Ich habe sie gefragt, wo ist Gott wenn Kinder missbraucht werden oder verhungern müssen?
      Sie hat gesagt, sie glaubt, das er immer da ist, auch wenn es manchmal nicht so aussieht.
      Wir müssen Vertrauen haben, ohne der Verantwortungslosigkeit zu unterliegen.

      Und dann hat doch die Neugier gesiegt, ich wollte wissen, warum sie so lebt, ob sie so aufgewachsen ist? Ob sie so glücklich ist, ich wollte einfach verstehen.
      Sie erzählte bereitwillig ganz viel von sich und sie verbreitete eine unglaubliche Ruhe und Standsicherheit.

      Sie hatte mit Ihrer Lebensweise gewiss manche Schwierigkeiten zu bestehen, zumal sie als Einzelkind in einer Großstadt ganz anders aufgewachsen ist.
      Ihr Tun wurde sicher nicht oft verstanden, aber alles was Sie tat, reifte aus Ãœberlegung und Ãœberzeugung.
      Es war ihr egal, was andere über sie dachten, sie sagt sie müsse vor niemanden Zeugnis ablegen.
      Das muss Sie nur vor sich und vor Gott.
      Ich war gewillt sie zu verstehen, aber ich konnte es nicht so richtig.

      Das änderte sich, als ich später ins Bad gehen sollte.

      Und mein Blick nicht meinem immer noch leicht verquollenen Gesicht galt, sondern bei Josy's Zahnputzutensilien hängen blieb.
      Mein erster Gedanke, Das darf doch nicht wahr sein, die hat sogar ökologische Salzzahncreme, was immer das auch ist.

      So stand ich dort, die Zahncreme und ich.
      Als ich zurück ins Zimmer kam, setzte ich mich aufs Bett und begann ein Zwigespräch mit mir selbst.

      Ok, Josy ist Mitte 20 hat keine Kinder, also im großen und ganzen hätte sie nur Verantwortung für sich selbst, aber sie macht sich Gedanken, um die Tiere und um die Menschen, die nach uns hier leben werden.
      Und ich ich habe 2 Kinder und benütze diese Welt, als gäbe noch viele weitere, sollte diese mal aufgebraucht sein, ich benütze sie, als wäre ich der einzige Mensch, für den sie sich dreht.
      Und was nach mir kommt, ist es mir wirklich egal?
      Kann es mir so egal sein, das ich 2 Kinder in die Welt setze und nicht mein Möglichstes tue, um Ihnen eine lebenswerte Welt zu hinterlassen?
      Eine junge Frau macht sich so viele Gedanken, um wichtige Sachen und ich? Ich stelle mir die Frage ob mein beschissenes Make up besser aussieht, als das meiner Kollegin.

      Dann ist Essenszeit.

      Das Mittagessen ist wieder ein Gedicht, ein wirklich wahrhaftiger Genuss, ohne dabei den Geschmack der jeweiligen Speisen, mit irgendetwas zu verdecken, auch wenn meine Geschmacksnerven vieles noch als fad einstufen.
      Aber auch die müssen sich erst daran gewöhnen, wie das alles ohne Maggi % Co schmecken kann.




      15 Uhr treffen wir uns wieder zum Gesprächskreis.
      Heute geht es darum, wie es uns geht, in unserem jetzigen Leben.
      Wie läuft es mit den Kindern?
      Ist die Partnerschaft eine Bereicherung für den jeweils anderen?

      Hier merke ich, das ich viel mehr habe, als einige andere.
      Und viel mehr, als ich wirklich brauche.
      Ich habe eine Familie, die mich unterstützt, die mir diesen Aufenthalt gerne ermöglicht hat.
      Ich habe einen Mann der mich aufrichtig liebt und ich ihn.
      Ich habe tolle Kinder,
      Ich habe ein schönes Heim, finanziell geht es uns auch ganz gut, wir sind gesund.
      Wir wertschätzen auch das was wir haben.

      Was ist eigentlich los mit mir?

      Was jammer ich?

      Gut - es gab Zeiten, da lief es vielleicht nicht ganz so rosig.

      Und es gab Zeiten da lief es alles andere als rosig.

      Und dann kommt der nächste Zusammenbruch und der ist heftigst.

      Ich erzähle von der Zeit, als ich als Mutter nicht da war, zu einer Zeit wo mein Kind mich so dringend brauchte.
      Und dann waren da die Suizidversuche und die Warnung der Ärzte.

      Ich solle mein Kind einweisen lassen, die Verantwortung ist nicht mehr tragbar und in keinster Weise von mir zu realisieren.
      Ich war nicht in der Lage, solche Situationen zu entschärfen, ich konnte meine Tochter nicht helfen, nicht jetzt , nicht Heute und nicht Morgen. Punkt.
      Man schob mir ein Stück Papier hin, auf welchem ich der Einweisung in die geschlossene Abteilung zustimme.
      Der Gedanke daran war so verfüherisch, dann könnte ich die Verantwortung abgeben, an jemanden der sich damit besser auskennt, an Fachleute.
      Meine Beine drohten nachzugeben, ich hätte mir so sehr eine nicht enden wollende Ohnmacht gewünscht, ich war einfach nur noch ein Wrack.
      Mein Verstand schrie Ja unterschreib das, sie wird es verstehen und Dir eines Tages Dankbar sein.

      Aber da war noch mein Herz und das schrie etwas völlig anderes.
      Es war die gleiche Sprache, die auch die Augen meines Kindes sprachen.
      Ich schob das Papier zurück und sagte:
      „Nein ich nehme sie wieder mit nach Hause.“
      Meine Stimme war klar und deutlich, woher ich in diesen Augenblick, die Kraft dafür nahm, weiß ich nicht.
      Als die Ärzte und Psychologen mit mir fertig waren, war ich es auch.

      Ich war zu diesem Zeitpunkt in neurologischer Behandlung und kann glaub ich von Glück sagen, auf einen fähigen menschlichen Mediziner getroffen zu sein.
      Er erkannte sofort, das etwas nicht stimmte, ich berichtete dann auf Aufforderung, was los ist, das alles erzählte ich, als beträfe es mich gar nicht, ohne eine Gefühlsregung, ohne eine einzige Träne.

      Es wurde eine Depression diagnostiziert und hier bekam ich das erste Mal Hilfe und Verständnis.

      Das alles brach jetzt wieder raus.
      Es war an der Zeit, mich meiner Vergangenheit zu stellen und diese aufzuarbeiten.

      16:30 Uhr nahm ich meine Küchenarbeit wieder auf.
      Die Arbeit hat mir geholfen, auch im Tun, mich nicht zu vergessen.
      Wenn mir während einer Arbeit eine Träne die Wange runterlief, dann durfte das geschehen.
      Niemand verlangte von mir, etwas erklären zu müssen.
      Ich durfte hier einfach so sein.

      21 Uhr trafen wir uns zur Abendmeditation und hier beginne ich mit der Vergangenheitsbewältigung.
      Wir liegen alle auf den Boden und beginnen damit uns zu spüren .

      Irgendwann höre ich die einfache Aufforderung, uns in die Hände von Mutter Erde zu geben.
      Schon wieder steigen Tränen in mir hoch, so lag ich da, unfähig mich zu bewegen und als die Aufforderung, die so leise und doch bestimmt war, ein zweites mal ertönte, lies ich den Schmerz einfach raus und es war als würde ich eine schwere Last los.

      Die Tränen liefen heiß, Tränen der Trauer, die endlich Gehör fanden.

      Es war wie eine Befreiung und ich wusste zu diesem Zeitpunkt, das ich mich von meiner Vergangenheit lösen konnte, denn genau das war ich gerade im Begriff zu tun.

      An diesem Abend trank ich meinen Tee an der frischen Luft, es tat einfach gut, die sanfte Kühlung des Abends auf meinem brennenden Gesicht zu spüren.
      Die Luft kühlte mein Gesicht und der Tee wärmte mein Herz.

      Es war ein harter Tag, aber ein guter und ein wichtiger Schritt in Richtung Zukunft.

      So ging ich auch an diesen Abend zufrieden in mein Bett.
      Auch diese Nacht verläuft Traumlos, aber auch ohne Träume verläuft bis jetzt diese Woche der Stille und Tiefgründigkeit in einem selbst mir berauschend schnellen Tempo.

      Und bei allem guten was hier passiert, glaube ich, sind gerade auch diese Traumlosen Nächte für mich im Moment eine Erholung.
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      Dienstag



      Heute früh ist kein Yoga, wir können also ausschlafen, was wir auch tun, zumindestens Dani und ich, Josy ist schon lange auf, sie ist eine richtige Frühaufsteherin.
      Wir schlafen echt bis 8:15 Uhr und haben demzufolge exakt 15 Minuten, um im Speisesaal zu erscheinen.
      Es ist kaum zu glauben, aber selbst mit einem Bad ist das durchaus möglich.
      9:30 Uhr treffen wir uns wieder mit Barbara zur Arbeitsberatung.
      Heute sollen wir im Selbststudium auf unsere Hände achten.
      Da wir Februar schreiben und unsere erste Aufgabe, Josy und mich in den Garten zum Feldsalat verschlägt, fällt diese Beobachtung nicht wirklich schwer.
      Sollte ich heute meine Hände nicht spüren können, dann liegt es vermutlich einfach daran. Das sie abgefroren sind.
      Aber so weit kommt es nicht, denn nach einer Stunde ist für heute die Gartenarbeit erledigt.
      Dann kommen die obligatorischen Trink und Wärmflaschen-Füllung, zuvor genießen wir aber noch einen heißen Tee, auf der Terrasse.
      Es ist zwar kalt, aber wolkenlos und die Sonne lacht, und mit einer Decke unterm Hintern, lassen wir uns von der Sonne das Gesicht kitzeln.

      Im Speisesaal werden wir mit einem wunderschönen Klavierspiel auf das Mittagessen eingestimmt.
      Einige lächeln versonnen dabei, andere sind so ergriffen, das auch bei ihnen ein paar Tränen rollen.
      Aber hier kann man alle Gefühle zulassen und es fällt manchen nicht nur schwer, traurig sein zu können, auch das Lachen kann man verlernen, wie sich später noch zeigen wird.

      Das Mittagessen ist wie immer eine Augenweide und ein Hochgenuss für alle Sinne.
      Und hier bemerke ich wieder eine Veränderung.
      Ich sitze hier und esse, zufrieden und entspannt.
      Und das obwohl ich immer als extrem geräuschempfindlich einzustufen war.
      Da waren doch immer furchtbar nervige Kau Schluck und andere Essgeräusche.
      Da lief doch immer das Radio nebenbei, um möglichst das eine mit dem anderen übertönen zu können.
      Was war bloß passiert?
      Ob es daran liegt, das ich mich wieder spüren kann, das ich Außengeräusche ausschalten kann, ohne das Gefühl haben zu müssen, mich zu verlieren?
      Hat es mir ganz einfach nur Angst gemacht, andere Essen zu hören und mich selbst noch nicht mal dabei spüren zu können?

      Wir haben bis 15 Uhr frei, bis 16 Uhr werde ich mich wieder den Flyern widmen, diese sollen getackert und anschließend radiert werden.
      Sie werden gebraucht.
      Deshalb fange ich schon 14 Uhr an.
      Dani die ja eigentlich zur Erholung hier ist, setzt sich spontan mit zu mir und so schaffen wir gemeinsam.

      Und hin und wieder denke ich auch an meine Hände, denn auch diese Aufgabe des Selbststudiums, möchte ich natürlich nicht vergessen.
      Und ich merke, wie viel Kraft ich in die Hände gebe, ein Bruchteil würde ausreichen, um die jeweilige Beschäftigung auszuführen.
      Und selbst im Geben & Nehmen Kreis, merke ich das ich meine Hände verkrampft halte.
      Warum kann ich nicht locker lassen, ohne dabei die andere Hand zu verlieren?

      Aber es passt schon, Hilfe anzunehmen, auch das muß ich erst wieder neu lernen.

      Heute Abend essen wir schon 18:30 Uhr eine Suppe, denn heute ist für uns 19:30 Uhr Yoga.
      Und es sind in dem Kurs auch Menschen von Außerhalb des Klosters.
      Es sind Frauen und Männer, verschiedener Altergruppen, die das Angebot in Ihrem Dorf bestimmt sehr begrüßt haben.

      21:00Uhr gehen wir 3 in die Küche und stehen gemeinsam hinterm Herd.
      Denn wir haben noch Hunger, es macht Spass zusammen hier zu kochen und zu essen, bis nach 22:00 Uhr bringen wir die Küche wieder zum Strahlen.
      Uns 3 verbindet etwas, es ist wie eine Neuzüchtung einer Rose.
      Niemand weiß was daraus entstehen wird, aber ganz behutsam und mit Liebe, wird ihr Wachsen untersützt.

      Als ich dann 22:30 Uhr zu Hause anrufe, das zweite und letzte Mal während meines Aufenthaltes, erfahre ich, diese Woche ist ein Geschenk an uns alle.

      Mein Mann und die Kinder sind in dieser Woche zusammengewachsen.
      Vorher waren sie wie ein Puzzle, aber jetzt haben sich alle Teile gefunden.
      Ich glaube ich kann sagen, mein Mann ist nicht der Erzeuger meiner Kinder, aber ihr Vertrauter, ihr Freund eingentlich wie ein Vater.

      Diese Woche ist eine der wertvollsten meines Lebens.

      Mit einem Urvertrauen und glücklich gehe ich dem Ende des Tages entgegen,

      Und diese Nacht wird nicht Traumlos.


      In meinem Traum sitze ich im Auto und bin auf der Heimreise, aber irgendetwas ist falsch.
      Ich entferne mich immer weiter, als ich aufwache, geweckt von der Klangschale, bin ich unendlich erleichert.
      Und ein Satz ist noch richtig präsent an diesem Morgen.

      „Ich bin noch nicht fertig hier, Ich habe noch etwas zu tun.“
      "Manchmal ist es das vernünftigste, einfach herrlich verrückt zu sein." HP
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      Mittwoch

      Unsere Yoga-Morgen-Gruppe besteht heute aus 3 Leuten, Dani Josy und mir, natürlich noch die Yogalehrerin.
      Es ist ein sehr schönes Morgenyoga.
      Und da wir 3 schon fast eine Einheit bilden, auch wenn das bei meinen Yogakünsten, nicht so aussieht, schwingt eine ganz besonders Vertraute Stimmung mit.
      Sie ist förmlich greifbar.

      Unser heutiges Studium betrifft die Beobachtung der Schultern, das sind die Teile, welche ich immer nur, wenn überhaupt als Schmerz wahrnahm.

      Und im Laufe des Tages merke ich tatsächlich meine Schultern.
      Wenn ich an sie denke und sie mir bewusst mache, sind sie meistens sehr verkrampft und nach oben gezogen.
      Wie als wenn man den Kopf einzieht?
      Aber auch als müßten sie eine schwere Last tragen,
      doch glaube ich hat diese Last sehr viel mit Angst und Vertrauen zu tun.
      Es ist, als ob ich immer damit rechnen muß, angegriffen zu werden, mich verteidigen zu müßen oder jederzeit die Flucht ergreifen zu können.
      Nun mögen solche Vorsichtsmaßnahmen im großen und ganze eine gute Sache sein.
      Teilweise auch nicht unerheblich daran beteiligt, unser Ãœberleben zu sichern.
      Doch wenn diese Haltung ein Dauerzustand ist, würde ich Gefahr überhaupt noch erkennen und richtig einschätzen können?
      Oder war das eher die Vogel-Strauß- Methode?
      Ich seh die Gefahr nicht, dann sieht sie mich auch nicht.

      Und trotz der vielen schmerzhaften Dinge, die ich hier erlebe, bin ich unsagbar glücklich hier sein zu dürfen.
      Es ist noch schwierig, als das in Worte zu fassen.

      Am Nachmittag essen wir im kleinen Kreis einen veganen Apfelkuchen, den Josy extra zum Abschied für uns gebacken hat, so aufgeregt, wie beim Kuchen backen, habe ich sie bis dahin auch noch nie erlebt.
      Es war ihr so wichtig, einen tollen Kuchen zu zaubern, einfach weil er für uns war.
      Und ich konnte mir nie vorstellen, das es möglich ist, einen veganen Kuchen zu backen, der dann auch noch genießbar ist.

      Und was soll ich sagen, es war mein leckerster Apfelkuchen, den ich bisher gegessen habe.
      Während wir also so dasitzen und uns die Leckerei schmecken lassen, werden wir auch noch mal nach unseren derzeitigen Befinden gefragt.
      Und insbesondere Josy, was sie alles mitnehmen kann.
      Und ich glaube das ist eine ganze Menge.





      Dani und ich kommen uns auch immer näher, unsere Schicksale gleichen sich sehr, obwohl wir doch so unterschiedlich sind, oder etwa doch nicht?
      Sind bloß unsere Schalen besonders hart?
      Unsere „Therapeuten“ scheinen mehr Informationen über uns zu haben, wir wir selbst.
      Denn Sie besitzen die Fähigkeit uns direkt ins Herz blicken zu können.
      Und mit Ihrer Sanftheit, Vertrautheit und Liebe bringen sie es dazu, sich zu öffnen.
      Und wenn dies geschieht, dann ist auch eine Heilung möglich.
      Als dann noch jemand zu mir sagt, das ich jetzt gewiss schon genug Material zusammenhabe für mindestens ein Buch, bekomme ich echt eine Gänsehaut.
      Denn vor meiner Reise hier her, habe ich geträumt das ich ein Buch schreiben werde, was natürlich absolut absurd ist, zum einen weil ich kein Schriftsteller bin und zum anderen, über was sollte ich schreiben?
      Gut ich habe hier ein paar private Aufzeichnungen gemacht, so für mich, oder sollte das an die Öffentlichkeit?
      Es war schon wunderlich genug, das ich überhaupt eine Art Tagebuch angefangen habe, soetwas habe ich nie zuvor getan und ich dachte auch nicht, das sich daran etwas ändern würde.
      Wen interessierte schon eine Reisezusammenfassung von jemanden, der noch nicht mal genau wusste, um was für eine Reise es sich überhaupt handelte?

      Entweder das war der Beginn eines Lebens mit der Umwelt im Einklang zu leben oder die Bestandsaufnahme einer Irrenanstalt.


      Am späten Nachmittag bin ich wieder in der Küche, heute Abend ist ein goßes Fest und die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren.
      Hier bin ich auch wieder in meinem Element, ich dekoriere einen Aperetiv, einen aus frisch gepressten Blutorangen, Kokos sowie Sojamilch und einem Schuß Sirup.

      Und alle arbeiten Hand in Hand, jeder auf seinem im zugeteilten Gebiet.
      Jeder ist auch hier wieder gleich wichtig.
      Es ist auch so eine Freude zu sehen, wie man hier mit den Lebensmitteln umgeht, und sie auch zubereitet.
      Es ist wie eine Liebeserklärung, an das jeweilige Menü und das jeden Tag neu.
      Das Abendessen findet seinen Ursprung in der Ayuwedischen Küche, eine besondere Ernährungsform, auf die ich hier das erste Mal treffe.

      Wir gehen auch nicht wie üblich, mit den Hausschuhen unter dem Arm in den Speiseraum, sondern nutzen heute den Weg durch die Küche.
      Vorher haben wir saubere fleckfreie neue Küchenschürzen bekommen, um als gesamtes Team der Küche uns allen anderen vorzustellen.
      Und die Festtafel ist der Hammer, auch die Azidose Gruppe, bekommt heute wieder normale Nahrung.

      Anschließen machen zirca 50 Leute die Küche sauber und auch ohne Anweisung findet sich ganz selbstverständlich alles.

      Heute erwartet uns auch noch etwas besonderes, die Azidose Gruppe, die heute Ihren letzten Abend hat, verabschiedet sich mit einem selbstgestalteten Programm.
      Es ist so herrlich und witzig, das mir mein Bauch richtig schlimm weh tut vom Lachen.
      Wir sind richtig gelöst und das lachen tut so unheimlich gut.
      Für die Zukunft nehme ich mir vor, viel öfters zu lachen.
      Aber auch dieser Abend geht irgendwann zu Ende.
      Zum Abschluß singen wir noch ein paar Mantras und die gehen wieder mitten ins Herz.
      Also lassen die Tränen nicht lange auf sich warten, denn hier sind sie willkomen, sie haben hier genauso ihren Platz, wie das Lachen die Freude, die Trauer oder die Wut.
      Auch das werde ich mir für die Zukunft vornehmen, Tränen gehören dazu, ich kann sie nicht aus meinem Leben verbannen.

      „Traurigsein ist wohl etwas natürliches. Es ist wohl ein Atem holen zur Freude, ein Vorbereiten der Seele dazu.“ Paula Modersohn-Becker, Briefe 12.Februar 1901
      "Manchmal ist es das vernünftigste, einfach herrlich verrückt zu sein." HP
      NMR seit 25.10.2005 [urlwww.essskulptur.de[/url]

      Gerd Hamann schrieb:

      Hallo Cora, Danke, dass du die Geschichte deiner "Reise" hier aufgeschrieben hast!

      Viele Grüße

      Gerd


      Ich glaube ich möchte auch Danke sagen, das ich das hier aufschreiben darf und das ihr es lest
      denn mit meiner "Öffentlichkeitsarbeit" nehme ich mein Schicksal an.
      Ich galube auch das war mir wichtig, solange es nur mein persönliches Tagebuch war, bestnd ja immer die Möglichkeit etwas zu verdrängen oder zu beschönigen, der Weg ist damit erledigt und das ist auch gut so.
      lg
      Cora
      "Manchmal ist es das vernünftigste, einfach herrlich verrückt zu sein." HP
      NMR seit 25.10.2005 [urlwww.essskulptur.de[/url]
      Liebe Cora,

      eine Therapeutin einer psychosomatischen Klinik sagte einmal zu mir: "Die Menschen, die hierher kommen, sind Helden, denn sie stellen sich ihren Problemen."
      An diesen Satz muss ich jedes Mal denken, wenn ich in deinem Reisebericht lese.

      Du bist eine Heldin.

      Ich danke dir für deine Offenheit, dafür, dass du uns teilhaben lässt.
      Lieben Gruß von der
      Donnerstag




      Heute wird Josy abreisen, aber ich glaube nicht das es ein Abschied für immer sein wird.

      7 Uhr treffen wir uns erst mal zu einer Yoga Stunde der besonderen Art.

      Yoga in der Natur, wir machen also eine Art Morgenspaziergang.
      Und weil ich ziemlich „passendes“ Schuhwerk mithabe, welches aus schicken Absatzstiefelchen besteht und ein paar aus feinem Wildleder, entscheide ich mich, für die neuerworbenen blauen Gummistiefeln.
      Zwar laufe ich damit so geschickt, wie eine Ente im Moor, aber eine Alternative habe ich nicht.

      Der Morgenausflug beginnt mit einem Morgenkreis und so wird er auch enden.
      Und noch habe ich keine Ahnung das mir eine Stunde später das Herz bis zum Hals klopfen wird.

      Und hier bekomme ich ein Stück zurück, was ich als Kind bestimmt mal bessesen habe, den Bezug zur Natur.
      Ich merke, wie angenehm sich Waldboden anfühlt und das trotz der Gummilatschen.
      Und es kommen auch wieder viele Gedanken, Fragen und Antworten.
      Ich habe schon oft gehört, wenn jemand sagte, er suche Trost bei den Bäumen.
      Ich kenne auch einige die im Wald inneren Frieden finden.
      Ich gehörte nie dazu.
      Ich brauchte immer ganz starke Impulse, wie die laute Bimmelbahn, den harten Asphalt oder irgendetwas anderes, was mich selbst überspielen konnte.
      Aber das bot die Natur nicht, aber sie zeigt uns Möglichkeiten auf.
      Und ich habe hier nicht nur von all den tollen Menschen viel gelernt, sondern auch von den Bäumen.

      Sie sind ja nicht starr, nein sie sind sogar sehr flexibel, ihre Äste Zweige und Blätter tanzen im Wind, aber sie müssen gar keine Angst haben, ihren Stand dadurch zu verlieren, denn sie haben ihre Wurzeln.
      Auch wenn man sie nicht sieht, so sind sie doch da.
      Und habe ich nicht jeden Tag die Möglichkeit, neue Wurzeln zu bilden und schon bestehende zu festigen?
      Warum habe ich immer so viel Energie in das Wachstum gesteckt, also in die Krone?
      Wächst ein Baum nicht automatisch, wenn die Wurzeln gesund sind.

      Und wie ich so vor mich her philosophiere stehen wir vor der Kirchruine.
      Vor dieser stand ich schon als ich hier ankam und die selben Gefühle sind sofort wieder präsent.
      Aber es nützt nichts, wir gehen da jetzt rein.

      Mir ist schlecht ich zittere und habe Angst, aber ich glaube ein bisschen Mut muß ich schon aufbringen.
      Im Inneren machen wir ein paar Yoga Ãœbungen, soweit wie das in unserer Bekleidung und Beschuhung möglich ist.
      Und soweit wie es meine Weinkrämpfe zulassen.

      Knapp anderthalbe Stunde nach dem Morgenstart, endet der Spaziergang hier, indem wir uns alle an den Händen fassen.
      Und die eine Hand gibt die andere nimmt.
      Ich finde dieses Ritual, war es auch am Anfang sehr befremdlich für mich, jetzt so schön und hilfreich.
      Nach dem Frühstück verabschiede ich mich von Josy, ich nehme sie ganz fest in die Arme, Worte sind hier überflüssig und ich bin auch gar nicht im Stande welche zu bilden.
      Unten im Foyer ist heute auch so große Abreise.
      Deswegen bleibe ich bis zu unserem Work & Study Treffen im Zimmer.
      Meine heutiger Arbeitseinsatz, ist wieder die Reinigung der Toiletten und Flure.
      Womit ich bis zum Mittagessen beschäftigt bin.
      Zwischen durch versuche ich mein Selbststudium zu erfüllen, welches die Beobachtung meines Beckens darstellt.
      Allerdings habe ich hier enorme Schwierigkeiten, habe ich doch kein rechtes Gefühl für meine Mitte.
      Aber dieses Wissen belastet mich gar nicht so, weiß ich doch jetzt, das ich es ganz sicher wieder finden werde.

      Nach dem Mittagessen wird mir mitgeteilt, das ich bis 16 Uhr die Zeit zur freien Verfügung habe.
      Und auch diese Stunden, sind so wichtig für mich.

      Dani und ich gehen ein Stück wandern, außerhalb des Klosters.
      Da Dani ja schon einige Ausflüge gemacht hat, führt sie unsere 2 er Gruppe an.
      Hier beginnt ganz langsam etwas zu entstehen.
      Wir kennen uns gerade ein paar Tage und sind uns doch in vielen Dingen schon so vertraut.
      Wir kamen hier an, mit einem großen Rucksack voller Sorgen, Ängste und Nöte.
      Aber vermuteten wir doch in unserem Gepäck eine nur Ãœberarbeitung des Körpers, zu viel Stress.
      Wir waren doch stark und haben so viel geschafft im Leben, wir waren doch keine Gestrandeten, die ihr Leben nicht geregelt bekamen.

      In Wirklichkeit wussten wir schon lange nicht mehr, Wer wir waren.
      Und was wir wollten.

      Wir erzählten uns kleine Anekdoten schon aus der Kindheit und wenn Dani erzählte erkannte ich mich darin wieder und umgekehrt.

      Und heute, heute kämpfen wir so oft, um eine Anerkennung, die uns eigentlich zuwider ist.
      Und warum?
      Weil wir die Verantwortung, für das was uns ausmacht, in andere Hände gegeben haben?
      Weil wir uns sonst selbst für Wertlos halten?

      Diese Gedanken die ich hiermit verbinde, sind manchmal ziemlich Hart und vielleicht auch etwas überspitzt dargestellt , aber sie kommen der Wahrheit am nächsten.

      Ab 16 Uhr bin ich wieder in der Küche.

      Auch Auseinandersetzungen gibt es hier im Kloster und auch ich werde damit konfrontiert.

      Während ich den Aufwasch bewältige, möchte mir diesen eine Frau abnehmen, eine Frau, die mir mal ähnlich war.
      Aber ich konzentrierte mich auf meine Beine und stelle bewusst die Verbindung zur Erde her.
      Und als ich mir meiner Standfestigkeit bewusst bin, sage ich der „lauten“ Frau.
      Danke für das Angebot der Hilfe, aber ich mache das lieber selber.
      Daraufhin sagt neben mir eine andere Frau
      „ Ich glaube sie meint, du bist ihr zu langsam“

      Meine Antwort: „ Ich weiß.“

      Ich kann meine Aufgabe jetzt ohne Unterbrechung, in meiner Geschwindigkeit zu Ende führen.

      Wir werden also lernen müßen, unser Tempo, ist nicht immer das des anderen.
      Aber wir werden auch seinen Standpunkt respektieren, ohne Gram, denn er weiß es auch nicht besser.

      Barbara möchte sich vor der Abendmeditation noch einmal mit uns treffen, aber davor wollen wir noch einen letzten kleinen Klosterrundgang machen, es ist unser letzter Tag.

      Wir schlendern die Wege entlang und machen Pläne für die Zukunft, wir wollen in Kontakt bleiben und hierauf aufbauen.
      Dann stehe wir zum zweiten mal an diesem Tag an der Kirchruine.
      Dani nimmt meine Hand und wir gehen da rein.
      Und als ich im Inneren stehe, kann ich nach oben schauen, ich kann meine Arme ausbreiten und mich im Kreis drehen, ich bin Frei.
      Ganz tief atme ich ein und wieder aus.
      Es ist unglaublich, ohne Beklemmung hier drinnen stehen zu können, es sogar zu genießen.
      Dani ich Danke Dir dafür.

      Barbara fragt uns am Abend nach unseren Eindrücken und Empfindungen.
      Ich habe Probleme alles sortiert rüberzubringen, aber ich glaube, ich werde auch so verstanden.
      Denn es gibt Momente im Leben, die passieren nicht zufällig.
      Wenn sich hier im Kloster Menschen finden, kann man das vielleicht auch manchmal Fügung nennen.
      Und wenn solche Menschen hier eintreffen, weil es so bestimmt war, dann ist die Zeit reif und dann werden sie auch ganz viel mitnehmen können.
      Bei unseren letzten Gespräch habe ich Gänsehaut, ich habe das Gefühl begleitet zu werden, als hätte ich wirklich einen Schutzengel.
      Einen Schutz, der schon immer da war, den ich aber die letzten Jahre schon lange nicht mehr wahrnehmen konnte.

      War es wirklich möglich wieder Vertrauen aufbauen zu können?
      Ein Vertrauen, das es mir möglich macht, einfach loslassen zu können, mich fallen lasen zu können, mit geschlossenen Augen?

      Zur Abendmeditation laufen wieder die Tränen, genau da, als Barbara mit ihrer Engelsgleichen Stimme La Le Lu singt.
      Ich habe noch nie so viel geheult wie hier.
      Aber ich war auch noch nie so gelöst wie hier.
      Ich habe hier keine neuen Projekte gefunden, die ein weiteres Entfernen meiner Selbst zur Folge gehabt hätten.

      Nein, ich glaube ich kann sagen, mein Mut den ich aufbrachte, um mich dieser Woche zu stellen, einer Woche die rasanter nicht hätte sein können.
      Sie hat mich so viel weicher gemacht, empfindsamer.
      Aber auch so viel stärker.
      Sie hat mir alles gegeben was ich brauche, um ein erfülltes Leben zu führen.

      Es war im Grunde nicht viel und doch alles.
      Ich habe einen Schlüssel bekommen, ich trug diesen eigentlich schon die ganzen Jahre als nutzlos mit mir rum.
      Versuchte ich doch tausende Schlösser damit aufzusperren.
      Aber er passte einfach nicht.

      Ich sollte also erst 33 Jahre alt werden, um zu begreifen, mein Schlüssel, wird auch nur zu meinem Schloss passen.

      So einfach und doch so schwer.
      Ich habe einen Weg gefunden, der sich lohnen könnte zu gehen, bloß gehen – gehen muss ich ihn selber.
      "Manchmal ist es das vernünftigste, einfach herrlich verrückt zu sein." HP
      NMR seit 25.10.2005 [urlwww.essskulptur.de[/url]
      Abreise





      Heute ist der Tag der Abreise.
      Wir haben noch einmal Morgenyoga.
      Und nachdem ich mich von unserer Yoga Lehrerin verabschiedet habe, fühle ich mich das erste mal an diesem jungen Tag leicht überfordert.

      Mir geht es zunehmend schlechter, mit dieser ganzen Situation, die doch tausend mal im Leben vorkommt, ich bin dem einfach nicht gewachsen.
      Bei jeder Verabschiedung breche ich unweigerlich in Tränen aus.

      Als die vorerst letzte Verabschiedung ansteht, fürchte ich in Ohnmacht zu fallen.
      Barbara die mich so gut begleitet hat in dieser Woche steht vor mir.
      Sie nimmt mich in die Arme, aber die sonst so starke Aura, die diese Frau umgibt, ist heute nicht da.
      Aber genau dafür bin ich heute so dankbar.

      Ich nehme Dani bis zum nächsten Bahnhof mit.
      Diese Fahrt verläuft ohne viel Worte.
      Unsere Verabschiedung fällt kurz aus, keiner mag mehr die Trennung länger als nötig hinausschieben.
      Wir umarmen uns.
      Und hier habe ich das Gefühl ein wenig Kraft tanken zu können.

      Dann geht es Richtung Heimat.
      Das Navi ist programmiert und weist mir die Richtung.
      In knapp 3 Stunden werde ich zu Hause sein.

      In 3 Stunden schaffe ich es nicht, stattdessen brauche ich mehr als das doppelte der errechneten Zeit.
      Und das obwohl kaum Verkehr ist.

      Aber nach vielleicht 50 Kilometern, steuere ich den nächsten Parkplatz an und falle sofort in einen kurzen Schlaf.
      So geht das auch die nächsten Kilometer weiter.
      Streckenweise ist es mir ein Rätsel, wie ich diese noch vor mir liegende Entfernung schaffen soll.
      Hier wird man doch verrückt, nicht nur hunderte von Verkehrszeichen, die einen schwindeln lassen, es kommt mindestens noch das doppelte an Werbung dazu und dann noch dieser Krach überall.
      War das schon so auf der Herfahrt?



      Wenn ja, dann hab ich das übersehen?
      Aber wie kann man ein derartiges übervolles Chaos übersehen und überhören?
      Das Radio habe ich jetzt aus, am liebsten würde ich es auf der Stelle aus dem Fenster werfen.

      Es ist ganz einfach grauenhaft.
      Es ist als rufe meine Seele:

      „Halt, warte auf mich, ich kann Dir so schnell nicht folgen“

      „Bitte, mach nicht so weiter, wie die vielen Jahre, lauf nicht weiter weg vor mir, Nimm mich mit.
      Ich gehöre doch zu Dir.“

      Und so geht die Fahrt in dem Stop and Go Tempo weiter.

      Aber irgendwann und irgendwie schaffe ich es dann doch.
      Ich bin glücklich und Restlos am Ende.

      Meine große Tochter trifft fast Zeitgleich mit mir ein.
      Ich sage nur:
      „Ich habe ganz viel mitgebracht.“
      Ein bisschen erzähle ich, ein bisschen weine ich und ein bisschen weinen wir zusammen.
      Danach schlafe ich ein.

      Dann kommen meine Kleine und mein Mann, stürmisch fällt auch hier die Begrüßung aus.
      Mittlerweile geht es mir etwas besser.

      Trotzdem überfordern mich plötzlich Dinge, die vorher ganz normal waren.
      Wie das Radio was nebenbei läuft, das durcheinander reden.
      Die ganze Hektik.

      Es wird ein paar Tage dauern, bis ich wieder zu Hause bin.
      "Manchmal ist es das vernünftigste, einfach herrlich verrückt zu sein." HP
      NMR seit 25.10.2005 [urlwww.essskulptur.de[/url]
      Dies ist das Ende meiner Geschichte,
      es folgt der letzte Teil der Geschichte

      Und danach

      Ich brauchte eine Weile um mich wieder zurecht zu finden.
      Aber ich war gestärkt und mir sicher, jetzt alles erreichen zu können.
      Von nun an würde es Berg auf gehen.

      Als erstes fing ich an, mir einen Yoga-Kurs zu suchen, meine Ansprüche waren hoch.
      Denn ich wollte Yoga praktizieren.
      Ich wollte da ungeschminkt hingehen können und nicht im Wettkampf stehen müssen, mit den anderen.
      Von wegen Wer hat die meiste Zellulitis oder wenigstens die schlimmsten Besenreiser.
      Und ich wollte auch nicht darauf Acht geben müssen, ob ich bei den Ãœbungen auch eine gute Figur mache.
      Ich hatte Glück
      Ich fand einen Kurs, in welchem ich mich von Anfang an wohl fühlte.
      Ich freue mich immer auf meine wöchentliche Yoga Stunde.
      Hier kann ich richtig auftanken oder auch richtig loslassen.
      Ich glaube langsam fühlt sich meine Seele wohl in meinem Körper.


      Bis zum heutigen Tag habe ich kein Fleisch mehr gegessen, ich achte viel bewusster auf das, was in meinem Einkaufskorb landet.
      Aber ich habe auch gelernt, meine Einstellung, auf andere zu übertragen.
      Ich durfte auch alleine zu meinem Weg finden, das gleiche möchte ich anderen ermöglichen.
      Ich erzähle gerne von meiner Reise, aber ich hoffe, das sie niemals als erhobene Zeigefingergeschichte angesehen wird.

      Aber es gab noch soooo viel mehr Veränderung.
      Ich begann, mich mit meiner beruflichen Situation auseinander zu setzen.
      Und immer mehr kristallisierte sich der Wunsch heraus, beruflich etwas zurückzutreten.
      Ich wollte mehr Zeit mit meiner Familie verbringen.
      Und ich wollte mir dann die Möglichkeit geben, mich mehr mit der Materie Yoga zu beschäftigen.
      Hier sah ich ungeahnte Möglichkeiten, die nur darauf warten entdeckt zu werden.

      Es lief alles ganz fantastisch.
      In knapp 4 Wochen würde ich auch an einer Traumhochzeit teilnehmen.
      Und das beste war, es würde meine eigene sein.

      So plante ich und agierte und war einfach nur glücklich.

      Ich fand innerhalb von sehr kurzer Zeit, eine wie es schien perfekte Arbeit.
      Halbtags stelle, jedes zweite Wochenende frei.
      Das finanzielle war auch ok, selbst mein schon gebuchter Urlaub stelle kein Problem dar.
      Es bestand zwar ein gewisses Risiko, es war Neuland und ich beendete ein sicheres Arbeitsverhältnis, aber ich stufte das Risiko als Minimal ein und unterschrieb den neuen Vertrag.
      Der Abschied von der alten Arbeitsstelle fiel trotzdem schwerer, als gedacht.

      Der neue Arbeitsplatz versprach mehr, als er letztendlich halten konnte.
      So Rosarot war dann doch nicht alles und ich reagierte zunehmend gereizt.

      Erschwerend hinzu kam, das ich mein geliebtes Yoga, bedingt durch die neuen Arbeitszeiten, mindestens um die Hälfte reduzieren musste.
      Und irgendwann fragte mein Arbeitgeber, wie es mir auf der neuen Arbeit gefalle. Siegessicher saß er mir gegenüber und erwartete gewiss etwas anderes, als das was dann kam.
      Aber ich war ehrlich.


      Und ich prangte alles das an, was mir nicht gefiel und das wo ich noch nicht mal 3 Wochen im Unternehmen war.
      Das ich trotz Teilzeit, fast jede Woche 10 Ãœberstunden geleistet habe, ohne irgendeinen Ausgleich dafür zu erhalten, damit hätte ich vielleicht noch leben können.
      Das die erst so gute Trinkgeldregelung, immer mehr zu meinen Ungunsten verändert wurde, stufte ich schon in die Kategorie Abzocke ein.
      Aber am wenigsten konnte ich das Arbeitsklima ertragen.
      Zwischen meinem Arbeitgeber und mir schienen Welten zu liegen.
      Und wo ich auch suchte, ich fand für mich keine gangbare Brücke.

      Zu einer Familienfeier ignorierte ich alle Kommentare, die mein Aussehen und meine Gesamterscheinung betrafen.
      Außerdem war ich schon immer blass gewesen und ich gab ja zu, im Moment gewisse Startschwierigkeiten zu haben.
      Gut, ich hatte ein wenig abgenommen, so das mein Brautkleid in Größe 34 vermutlich wenn es so weiterging, an mir herum schlackern würde.
      Aber im großen und ganzen ging es mir gut.

      Und dann kam der nächste Termin bei meinem Therapeuten.
      An diesem Tag fühlte ich mich ausgesprochen gut und selbst mein Spiegelbild, bestätigte mir das.
      Also ging ich an diesem Morgen frisch und beschwingt zu meiner Therapie.

      10 Uhr war ich bestellt und 2 Stunden später fand ich mich im schwarzen Tal der Depressionen wieder,.
      Dazwischen lag ein ausführliches Gespräch.
      Zuerst war ich verwundert, konnten wir doch unmöglich über ein und dieselbe Person sprechen, mir ging es doch gut, warum sah das niemand?

      Dann folgten Gefühle wie Trauer, Wut, Hoffnung und Ohnmacht.
      Ich verließ die Praxis, mit einem Krankenschein.
      Als ich zu Hause erneut in den Spiegel sah, war die Fassade vom Morgen weg und ich war entsetzt.
      Entsetzt über mein Aussehen, aber vor allem entsetzt, das ich immer noch nicht merkte, wann es mir schlecht geht.
      Und das über eine doch lange Zeit.
      Und immer wieder stellte ich mir die Frage: Was war schief gelaufen?

      Als die Kündigung bei mir eintraf, war dann auch eine gewisse Erleichterung zu spüren.
      Aber ich war ziemlich aus meiner Mitte geraten und ich hatte Schwierigkeiten zurückzufinden.
      Nun hatte ich wieder Zeit für Yoga und auch diesmal empfand ich diese Stunde als so hilfreich.
      So konnte ich ruhig sehen, was passiert war, Emotionen zulassen, ohne diese gleich zu werten.
      Gut ich war gescheitert, in gewisser Weise, aber ich lernte, das es nicht möglich war, etwas ändern zu wollen, ohne gewisse Risiken einzugehen.


      Ich würde noch viel lernen müssen, das war mir schon bewusst.
      Aber wie bei so vielen, gibt es auch hier 2 Wahrheiten, das eine heißt Theorie das andere Praxis.
      Und zwischen diesen beiden, scheinen Universen zu liegen.
      Nun gut, mein nächstes Ziel heißt also, an mir arbeiten und an meiner Einstellung.
      Ich musste mir unbedingt einen Anker suchen, auf den ich jederzeit zurück greifen kann.
      Ich glaube mein Anker heißt Yoga und diesen weg werde ich weitergehen.
      Und ich werde Yoga auch auf meiner Prioritäten liste da hinsetzen, wo es hingehört,
      nämlich ganz weit hoch.


      Ich habe gelernt, meine Kinder so anzunehmen, wie sie sind, ich versuche trotzdem ihnen zu helfen, in meinen Möglichkeiten.
      Es gibt immer noch einige, die nicht gut über mich reden, wenn ich sage, das interessiert mich nicht mehr, dann ist das gelogen.
      Ich denke dann manchmal, Ja andere Mütter haben mehr Ausdauer, sind ruhiger als ich, haben einen großen Freundeskreis.
      Ok das sind andere, ich bin das nicht.
      Ob das gut oder schlecht ist, spielt da eigentlich keine große Rolle.
      Ich glaube ich bin ein Stück der Normalität entgegen gekommen, und ich arbeite an mir, aber ich bin nicht mehr bereit mich zu verbiegen.

      Beruflich habe ich noch nicht gefunden, was ich suche, aber ich bin zuversichtlich.
      Und dann war da ja auch noch die bevorstehende Hochzeit.
      Hier gab es auch viel zu tun, aber das machte mir unglaublich viel Spaß.
      Und dann war es soweit.
      Wir haben uns einen Tag ausgesucht, der zu passen schien.
      Freitag der 13.
      Ein weiteres Datum, was ich mir trotz der Zahlenphobie gut merken kann.
      Es war den ganzen Monat schönes Wetter mit sommerlichen Temperaturen.
      Und am Freitag kam die Schlecht Wetterfront.
      Aber was konnte uns das kümmern.
      Uns waren die Begleitumstände nicht so wichtig, solange wir zusammen sind.
      Und dann kam der Augenblick, als ich mit meinem zukünftigen Mann an der Seite, er im schwarzen Smoking und ich in einem Rose'farbenen Tüllkleid, die Stufen der kleinen Kapelle hinaufschritt.
      Das ganze wurde untermalt, mit der Filmmusik von Drei Haselnüsse für Aschenbrödel.
      Und ich glaube hier beginnt sich der Kreis zu schließen.

      Und heute weiß ich etwas, was das wichtigste überhaupt ist, was ich erkannt habe.
      Die Liebe zu meiner Familie.


      Vielleicht war mein Leben nicht immer einfach...
      "Manchmal ist es das vernünftigste, einfach herrlich verrückt zu sein." HP
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